Werbung

Sozialistendominus tut, was du willst

Andreas Koristka bietet die Chance, sich das Wort im Mund verbieten zu lassen. Mit Peitsche! Für nur 550 Euro!

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

Laut einer Allensbach-Umfrage haben nur noch 45 Prozent der Deutschen das Gefühl, dass die politische Meinung in der BRD frei geäußert werden kann. Unter den AfD-Wählern sind es sogar nur 12 Prozent. Die müssen es schließlich wissen, denn wer schon mal versucht hat, in einem ostdeutschen Nazikaff seine Meinung zu sagen, dürfte darüber informiert sein, wie sehr Maulschlüssel und Baseballschläger zwiebeln können.

Die Bereiche, die besonders von Sprachverboten betroffen sind, sind den Befragten zufolge der Islam, Vaterlandsliebe und die Gleichberechtigung von Frauen. Aber wenn die Leute doch wissen, dass diese Themen eigentlich Sprachverboten unterliegen, warum sprechen sie dann über kaum etwas anderes? Egal ob bei Lanz oder in den rechtsextremen Polizeichats - kein Fernsehgesichtsträger, kein entfernter Verwandter auf einer Geburtstagsfeier und kein betrunkener U-Bahnfahrgast mit eingenässter Hose weit und breit, der nicht schon mal seine Meinung darüber kundgetan hätte, dass gendergerechte Sprache in den Medien ein größeres gesellschaftliches Problem ist als Hodenkrebs und die Benzinpreiserhöhung zusammen und dass die Autobahnen nicht der einzige positive Aspekt des Dritten Reichs waren.

Es gibt übrigens wirklich Beschränkungen der freien Meinungsäußerung. Versuchen Sie mal öffentlich zu fordern, dass sich Susanne Klatten zunächst 15 Jahre in der Produktion bewähren sollte, bevor sie ihre nächste Parteispende überweisen darf! Oder versuchen Sie zu sagen, was man mit Carsten Maschmeyers Fußnägeln machen sollte! Wer das tut, wird schnell sehen, wo die Grenzen der Freiheit in der BRD wirklich enden.

Aber die weinerlichen Wesen der rechten Mehrheitsgesellschaft rührt jedes Widerwort zu Tränen. Sie fühlen sich von einer angeblichen linken Übermacht gegängelt. Dabei sind sie selbst die Mehrheit. Genau das zeigt die Umfrage. Sie blasen ihren Feind, den sie in ein paar Gender-Studies-Studenten ausgemacht haben, dermaßen groß auf, bis sie selbst als ein tapferer David erscheinen, der wagemutig gegen einen übermächtigen Goliath anrennt.

Warum diese Leute das machen, bleibt ihr Geheimnis. Man kann darüber spekulieren, ob sie es als lustvoll erleben, sich als Opfer einer Meinungsdiktatur zu stilisieren und sich deswegen in Fantasiewelten imaginieren, in denen sie die Sklaven ihrer politisch korrekten Herren und Damen sind. Eigentlich ist dies die einzige vernünftige Erklärung. Wie tragisch also, dass man in aller Regel Gegenworte leider nicht in ihrem Umfeld findet. Weder auf den Schützenfesten noch in der »Bild« finden sie kompetente Gegenmeinungen mit totalitärem Unterjochungsanspruch.

Das ist unfassbar tragisch und macht wahrscheinlich nicht nur mich ein bisschen traurig. Darum will ich mich hiermit selbstlos anbieten: Wer die sinnliche Erfahrung machen möchte, sich von einem linken Meinungsmonopolisten das Wort im Munde verbieten zu lassen, der kann sich bei mir melden (Chiffre: Sozialistendominus). In meinem Sommerwortverbotsworkshop (für Getestete, Geimpfte und Genesene) können Sie Ihre rechten Untergangsfantasien verbalisieren. Sie dürfen nach Herzenslust Türken, Araber und Juden verunglimpfen, dürfen Frauen beschimpfen und sogar den Holocaust relativieren. Und während Sie das tun, werde ich, um es frei nach Klaus Kinski zu sagen, die Peitsche nehmen und ihnen in die Fresse hauen. Das wird ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten, denn dieses Mal werden Ihre Tränen echt sein. Der Kostenpunkt liegt bei 550 Euro pro Teilnehmer (inklusive einer Übernachtung im Feriengulag, Wasser und trockenes Brot). Bis bald!

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung