Big Brother und Freiräume

Hier Kickerprofis unter der IT-Geißel, dort Korbzielwurf aus Spaß und mit Köpfchen

  • Von MIKE MLYNAR
  • Lesedauer: 2 Min.

MIKE MLYNAR

Stichwort Uefa Euro 2020: Fußball scheint immer noch wie immer zu sein. Geht doch von Fuß und Ball auch wie gehabt das gute, alte bodenständige Faszinosum aus. Zumindest vor den Kulissen. Dahinter schafft Computertechnik eine neue Welt, die überall als »Geheime Clubsache« behandelt wird. Es geht um den Trainings- und Tagesablauf des fußballernden Spitzenpersonals. In ihrem goldenen Käfig gibt nun die IT den Takt vor. Und zwar angesichts der horrenden Gagen gnadenlos.

Den Anstoß dazu gab (ungewollt) der britische Quantenphysiker Ken Bray. Er hatte Fußball vor fast 20 Jahren erstmals in seine naturwissenschaftlichen Einzelteile zerlegte. Heute ist kein Big Profi mehr ohne George Orwell's Big Brother unterwegs. Im wahrsten Wortsinn vom ersten bis zum letzten Pinkeln des Tages. Ausgestattet mit einem Trackingsystem unterm Leibchen, beobachtet von Dutzenden Sensoren auf dem Trainingsplatz, per GPS-Signal auf einen 3-D-Bildschirm ins clubeigene Dataspace projiziert. Dort wird sportlich, medizinisch, geschäftlich analysiert. Wer unberechenbar bleibt, wird nur dann nicht aussortiert, wenn er unberechenbar Tore schießt.

Bei der nebensächlichsten Sache der (Sport-)Welt geht's also echt gnadenlos zu. Glücklicherweise gibt es noch Freiräume für echt fuß- wie auch handgemachte Spiele: Reni, Steffi, Tom veranstalten im Fitness- und Spielbereich des Stadtparks einen kleinen Korbzielwurf-Wettbewerb. Jeder versucht es einzeln im Zeitraum von je fünf Minuten. Reni legt vor und schafft 20 Körbe. Steffi will mindestens 80 Prozent der Leistung von Reni und Tom zusammen schaffen. Tom will mindestens 60 Prozent der Leistung von Reni und Steffi zusammen schaffen. Gibt es eine kleinstmögliche Anzahl von Treffern für Steffi und Tom, damit sie beide ihr Leistungsziel erreichen, und wie groß ist diese jeweilige kleinstmögliche Anzahl?

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