Vom Karwendeltal zum Stadtstrand

Auf dem Weg von den Alpen nach München durchfließt die Isar wunderschöne Landschaften. Eine Radroute begleitet Bayerns berühmten Fluss

  • Von Armin Herb
  • Lesedauer: 4 Min.
Radeln durch »Bayerisch Kanada«: Der Weg entlang der Isar führt durch malerische Berglandschaften.
Radeln durch »Bayerisch Kanada«: Der Weg entlang der Isar führt durch malerische Berglandschaften.

Im österreichischen Alpendorf Scharnitz an der bayerisch-tirolerischen Grenze beginnt laut Landkarten und Beschilderung der Isar-Radweg. Warum eigentlich erst da? Die Quelle liegt doch einige Kilometer weiter oben mitten im Karwendelgebirge und ist ganz gut mit dem Rad und problemlos per E-Bike zu erreichen. Was auch immer der Grund dafür sein mag - auf jeden Fall sollte man die Fahrt zum Isarursprung nicht versäumen. Denn wie schreibt Bike-Pionier Elmar Moser so treffend: »Das Naturschutzgebiet Karwendel, ein Raum von 40 km Länge und 25 km Breite, gehört zu den großen Faszinationen jedes Bergbegeisterten.«

Von Scharnitz führt ein angenehmer Weg ins Hinterautal, zuerst asphaltiert, danach auf Schotter. Die knapp 200 Höhenmeter konzentrieren sich auf den ersten Kilometer hinauf zur Gleirschhöhe, danach könnte man den Motor - sofern das Fahrrad einen hat - auch abstellen. Fast flach verläuft der Bergweg am jungen Flüsslein entlang ins Tal hinein. Offiziell entspringt die Isar zwischen den Bergen der Gleirsch-Halltal-Kette und der Hinterautal-Vomper-Kette, markiert mit einer erklärenden Tafel. Die Quelle an sich ist nicht spektakulär, aber umso mehr die Landschaft drum herum - Hochgebirge wie aus dem Bilderbuch.

Der Rückweg nach Scharnitz und weiter über die Grenze nach Bayern kostet kaum Energie. Es geht bergab - oder eben dahin. Im nahen Mittenwald, weithin bekannt als Geigenbauerdorf, lohnt sich ein Blick ins Heimatmuseum oder zumindest ins kitschig-schöne Dorfzentrum. Landschaftsfans verlassen hier kurz den Isar-Radweg für einen Abstecher hinauf zu den Buckelwiesen. Wie ein kleines Aussichtsplateau liegen sie zwischen den mächtigen Felswänden des Karwendels und dem Wettersteinmassiv, ideal für einen entspannenden Stopp im Bauernhofcafé der Goas-Alm bei Ziegenmilcheis und selbstgebackenem Kuchen.

Bei Krün wird die Isar zwar zum ersten Mal gestaut, aber wenige Kilometer weiter wirkt sie wieder wie ein ungebändigter Gebirgsfluss, der ständig seinen Lauf und sein Bett verändert. Weil bei Hochwasser mehrmals die Fahrbahn in den Fluten verschwand, wurde der Radweg weiter in den Wald verlegt. Insider reden wegen der überwältigenden Naturkulisse an diesem Flussabschnitt bis zum Sylvensteinstausee gerne von »Bayerisch-Kanada«, vor allem dort, wo der Rißbach auf ganzer Talbreite in die Isar mündet.

Ab dem Sylvensteinstausee fließt die Isar Richtung Norden. Der Stausee, in den 1950er-Jahren zur Energiegewinnung und zum Hochwasserschutz aufgestaut, ist heute ein beliebter und ziemlich erfrischender Badesee, der gern als Kulisse für Werbeaufnahmen genutzt wird. Hier wartet eine interessante Wegvariante: Wer zu Füßen der Staumauer nicht dem Radweg an der Bundesstraße folgen möchte, biegt links ab über den Rauchenberg nach Höfen in die Jachenau. Der holprige, aber gut fahrbare Forstweg führt weiter Richtung Lenggries, wo man wieder auf den Isar-Radweg einschwenken kann. Im Wintersportdorf lohnt sich ein Blick in die Pfarrkirche St. Jakobus, auch »Dom des Isarwinkels« genannt.

Spätestens in Bad Tölz gilt es wieder einen ausführlichen Stopp zu planen, selbst wenn nur ein gemütliches Schlendern auf der historischen Marktstraße daraus wird. Radler, die nicht in die schöne Innenstadt abbiegen, halten zumindest gerne an der Isarbrücke, wegen des Blickes auf den Kalvarienberg mit der Leonhardikapelle und des großen, reich verzierten Hauses am Flussufer.

Im fröhlichen Auf und Ab führt die Route westlich der Isar weiter nach Geretsried und Wolfratshausen. Im Sommer erschallt hier laute Blasmusik und Hitparadengedudel vom Fluss her. An der Isarbrücke starten nämlich die beliebten, feucht-fröhlichen Floßtouren nach München. Aber auch der Radler braucht auf seinen Gerstensaft nicht zu verzichten. Am Wegesrand warten immer wieder urgemütliche Biergärten, etwa in der Pupplinger Au, bei der Aumühle oder beim Brückenfischer. Und natürlich beim Kloster Schäftlarn, das nur ein paar hundert Meter vom Fluss entfernt liegt. Die Klosterkirche der Benediktinerabtei zählt zu den herausragenden Beispielen für bayerisches Rokoko.

Für reichlich Zuschauer sorgt das Stauwehr beim Gasthof Mühle, dort müssen die Flöße über die große Floßrutsche vom Kanal zurück in die Isar. Deshalb sind die Biergartenplätze direkt am Wasser auch schnell belegt. Gleich nebenan wartet der letzte Anstieg auf dem Weg in die Landeshauptstadt. Danach geht es auf schattigen Waldwegen hinein in den Villenvorort Grünwald. An der Burg Grünwald kann man das Fahrrad herunterschieben auf den Weg direkt an der Isar oder am Hochufer bleiben. Vor allem, wer der Bavaria-Filmstadt Geiselgasteig einen Besuch abstatten möchte, bleibt an der Hochleite. Die Radwege in die Stadt sind bestens ausgeschildert. An der Isar liegen bis zur Stadtmitte übrigens noch der sehenswerte Tierpark Hellabrunn und mitten in München das Deutsche Museum.

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