Selbstbewusste Indigenen-Chefin

RoseAnne Archibald vertritt als erste Frau die 634 First-Nation-Stämme in Kanada

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 2 Min.
RoseAnne Archibald: Selbstbewusste Indigenen-Chefin

»Wir werden der Sache direkt ins Gesicht starren und die kolonialistische Politik in den Mülleimer befördern, der Wandel kommt«, erklärte RoseAnne Archibald selbstbewusst nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden der Versammlung der indigenen First-Nation-Stämme in Kanada. Die »Assembly of First Nations« vertritt 634 Stämme und rund 900 000 Menschen. Nach fünf Wahlgängen und am zweiten Tag hatte sich die 54-Jährige gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt. Sie ist damit die erste Frau an der Spitze der Versammlung. »Ihr könnt den Frauen in eurem Leben sagen, dass die gläserne Decke zerbrochen ist. Ich danke allen, die auf diese Decke eingeschlagen und für erste Risse gesorgt haben«, so Archibald.

Beobachtern zufolge zeigt die Wahl Archibalds, dass sich die junge Generation gegen die alte Garde durchgesetzt habe. Die Angehörige des Stamms der Taykwa Tagamou Nation im Norden der Provinz Ontario kommt aus einer Häuptlingsfamilie, führt die Arbeit ihres Vaters und Großvaters weiter. Schon früher war sie Vorreiterin, wurde im Alter von 23 Jahren Chefin ihres Stammes und bekleidete später weitere Führungsrollen in der Indigenenpolitik in Kanada.

In einer neunjährigen Politikpause arbeite sie als Beraterin. Zuletzt war sie ab 2018 Regionalchefin der Indigenen in Ontario. In ihrer Kampagne hatte sie die Politik gegen die Coronakrise kritisiert und für eine stärkere Beteiligung von Frauen und von LGBTQ-Personen an der Selbstverwaltung der Indigenen geworben, um diese zu reformieren. Zudem will sie die Indigenenstämme weniger abhängig von staatlichen Mittel machen.

Die Frau mit den lila-blauen Haaren will sich dafür einsetzen, dass die Empfehlungen einer Versöhnungskommission von 2015 umgesetzt werden. Die hatte das kanadische Internatssystem zur Assimilation von Indigenenkindern untersucht. Von Ende des 19. Jahrhunderts bis Ende der 60er Jahre waren dort geschätzt 3200 Kinder durch sexualisierte Gewalt, Mangelernährung und an Krankheiten gestorben. Seit Mai dieses Jahres sind über 1100 unmarkierte Kindergräber gefunden worden.»Wir alle wollen, dass unsere Kinder stolz, von Liebe, Kultur, den Zeremonien, ihrer Sprache umgeben und in sicheren und lebhaften Communities aufwachsen«, sagt Archibald. Moritz Wichmann

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