Alles nur Projektion

Lisa Stansfield: »Never set me free«

  • Von Frank Jöricke
  • Lesedauer: 1 Min.

Nach zwei Hitalben (»Affection«, »Real Love«), für die es Platin und Gold geregnet hatte, konnte Lisa Stansfield sich entspannt zurücklehnen.

Und das tat sie dann auch. »So Natural« (1993) zeigt eine Sängerin, die sich nichts mehr beweisen muss. Die keine Balladen zerschmachten und keine Tanzdiele zerstampfen muss. Stattdessen singt sie schwüle Midtempo-Nummern wie »Never set me free«, in denen nicht allzu viel passiert und die einen dennoch berühren. Denn Lisa Stansfield singt so souverän von Gefühlen, dass man sich denkt: Die Frau würd ich gern mal kennenlernen.

Ist natürlich alles nur Projektion! Doch geht es nicht genau darum im Pop? Der Bluesmusiker hat den Blues. Die Soulsängerin singt sich die Seele aus dem Leib. Die Heavy-Metal-Band zersägt und zerklopft die Schwerlast des tagtäglichen Trotts. Und sie alle arbeiten sich am Leben und seinen Zumutungen ab.

Pop hingegen macht Tabula rasa mit Alltag und Tristesse. Er ist ein leeres Blatt, das jeder mit seinen eigenen Bildern füllen darf. Zum Beispiel denen von Lisa Stansfield.

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