Fatales Hepatitis-ABC

Alle 30 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen einer viralen Lebererkrankung

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: 3 Min.

Mindestens fünf Prozent der Weltbevölkerung sind mit einem der vier Hepatitis-Viren infiziert - das sind über 350 Millionen Menschen, die mit einer so verursachten Entzündung der Leber zu tun haben. Ist die Krankheit chronisch, kann sie das Organ über die Jahre schwer schädigen. Das Problem für eine rechtzeitige Diagnose: Die Symptome sind nicht eindeutig, Schmerzen werden an der Leber nicht gespürt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will bis 2030 Hepatitis B und C eliminieren und schlägt dafür den Ausbau von Präventions- und Therapieprogrammen vor. Jedes Jahr wird am 28. Juli mit dem Welt-Hepatitis-Tag an die Erkrankungen erinnert und zum Handeln aufgerufen. Verhindert werden sollen irreparable Leberschäden bis hin zum Organversagen. Alle 30 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgeerkrankungen einer Hepatitis.

Je nach Virustyp, von A bis E, ist die ausgelöste Entzündung unterschiedlich stark. Daneben sind auch nicht-virale Leberentzündungen bekannt, bewirkt durch Medikamente, Gifte, Alkohol, Übergewicht oder eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Die häufigste Hepatitisinfektion in Deutschland übertragen Viren vom Typ E, etwa in rohem Fleisch von Haus- und Wildschwein oder über Erdbeeren und Salate, die mit Mist oder Gülle gedüngt wurden. Schweinefleisch also durchgaren, Obst und Gemüse gründlich waschen, lauten einfache Regeln. Hepatitis E zeigt sich in Übelkeit und Erbrechen sowie Fieber, gefolgt von einer Gelbsucht.

Hepatitis A wiederum wird oft in Mittelmeerländern oder in Osteuropa erworben. Reisende sollten sich impfen lassen. Diese Hepatitis ist nicht chronisch und heilt oft von selbst aus, übertragen wird sie zum Beispiel durch verunreinigtes Trinkwasser, aber auch durch Schmierinfektionen sowie durch Körperflüssigkeiten.

Der letztgenannte Ansteckungsweg ist typisch für Hepatitis B, eine der chronischen Varianten der Leberkrankheit. Geschlechtsverkehr und Drogenkonsum mit verunreinigtem Zubehör sind häufige Verbreitungsformen, aber auch die gemeinsame Nutzung von Nagelscheren oder Handtüchern oder kleine »Eingriffe« - von der Maniküre bis zu Piercing und Tätowierungen. Ebenso kann die Behandlung mit unsterilen medizinischen Instrumenten Hepatitis-B-Viren verbreiten. Letztere können noch nicht aus den Leberzellen eliminiert werden, immerhin steht eine Impfung zur Verfügung. In Deutschland gehört diese seit 1995 zu den empfohlenen Standardimpfungen für Säuglinge und Heranwachsende.

Hepatitis B zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Heilt sie bei Erwachsenen vollständig aus, hinterlässt sie eine lebenslange Immunität. Das betrifft immerhin 90 Prozent der Infizierten. Sie kann jedoch auch unbemerkt chronisch bleiben. Global betrifft Letzteres etwa 260 Millionen Menschen, davon 300 000 in Deutschland. Oft wird die Übertragung nicht bemerkt.

Noch einmal anders ist die Situation für die andere chronische Variante, für das Hepatitis-C-Virus. Diese Leberentzündung ist mittlerweile sogar heilbar. Während sie früher mit nebenwirkungsreichen Immunstimulanzien behandelt wurde, gibt es seit wenigen Jahren Therapien mit Tabletten, die acht bis 12 Wochen eingenommen werden müssen und zu 98 Prozent heilen. Auch wegen der möglichen Behandlung plädiert die WHO für Selbsttests für Hepatitis-C-Viren.

Unter anderem in Deutschland gibt es eine hohe Dunkelziffer bei Hepatitis C. Oft wissen Menschen zwar von dieser Infektion, haben aber - etwa als Drogenabhängige oder Geflüchtete - mangels Krankenversicherung keinen Zugang zur Therapie. Deshalb geht es hierzulande nicht nur darum, Tests anzubieten, sondern über Netzwerke Behandlungen zu ermöglichen. Eine weitere Zielgruppe für Tests und Therapien sind zudem Gefangene, von denen etwa ein Drittel wegen Drogendelikten verurteilt ist. Jeder dritte Mann in Haft soll intravenös verabreichte Drogen konsumieren, unter den Frauen sogar jede zweite. Das Problem hier sind unbesetzte Arztstellen im Strafvollzug.

Indessen sind die WHO-Ziele für die Hepatitisbekämpfung ehrgeizig und eindeutig. Demnach müssten 90 Prozent der Kinder zur Geburt eine Hepatitis-B-Impfdosis erhalten. 90 Prozent aller Menschen müssten Zugang zu sicheren intravenösen Injektionen haben und 90 Prozent der Infizierten müssten von der Ansteckung wissen. Zudem müssten 80 Prozent der besonders gefährdeten Personen behandelt werden.

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