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Von der Blitzidee zum Dauerrenner

Rennsteiglaufteam des »nd« formiert sich für den 2./3 Oktober - Stenogramm der Jahre seit seiner Startpremiere

  • Von MICHAEL MÜLLER
  • Lesedauer: 5 Min.
Premiere des ND-Rennsteiglaufteams (ND-Sportteil, 17. Mai 2004)
Premiere des ND-Rennsteiglaufteams (ND-Sportteil, 17. Mai 2004)

Der GutsMuths-Rennsteiglauf, kurz GMRL, findet in diesem Jahr nicht wie üblich im Frühling statt, sondern am 2./3. Oktober, verschoben wegen der Corona-Lage; 2020 war er ausgefallen. Auch ein Team von Leserinnen und Lesern des »nd« wird wieder dabei sein. Es hatte 2004 beim schönsten und härtesten Massencross Europas seine Premiere, nimmt also nun Kurs auf Volljährigkeit. Zeit für einen kleinen Rückblick.

Spontane Idee: »ND-Mannschaft zum Rennsteiglauf - Anmeldung ab sofort« titelt das Sportressort am 10./11. April 2004. Mehr eine Blitzidee denn eine geplante Aktion. Nur knapp fünf Wochen bleiben bis zum Start. Doch bereits drei Tage später haben sich zwölf Läuferinnen und Läufer gemeldet, am Ende sind es 40. Per Brief ist allen vorgegeben: »Mannschaftstreff im Zielgelände von Schmiedefeld an einem großen ND-Sonnenschirm«. Als Jüngste des Teams trifft dort die Studentin Constanze Beck (23) aus Merseburg ein, als Ältester Erich Banisch (86) aus Heringen.

»Kein Tag ohne Lauf und ND«: So versichert es 2005 Nele Wild-Wall (33) aus Dortmund. Sie belegt beim Marathon der Frauen in der GMRL- Gesamtwertung Platz 2 (3:16:00 h)! Heike Hustig (16), bislang Junior-Cross, berichtet: »Ich wollte endlich zum Halbmarathon. Hat super geklappt und viel Spaß gemacht.« Im Team sind diesmal schon 99 Leserinnen und Leser.

Mannschaftstrikots in Weiß: Völlig durchnässt, frierend, aber frohen Mutes ist die ND-Läufergilde unterwegs. Erstmals in einheitlichen, weißen Trikots. Wolf-Dieter Lehmann erreicht nach 9:21 h im Supermarathon als einer der letzten unseren Stand. Er flucht über das glitschige Geläuf - und freut sich aufs nächste Jahr. Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich (Olympiasieger und mehrmaliger Weltmeister) nimmt den ND-Sportpreis als »Trainer des Jahres« entgegen.

Täve erstmals Ehrenkapitän: 2007 sind 140 dabei. Für neue Zugkraft sorgt Gustav-Adolf »Täve« Schur (75), die DDR-Sportlegende. Der mehrfache Friedensfahrtsieger und Straßenradsport-Doppelweltmeister fungiert als Ehrenkapitän der ND-Mannschaft. »Nicht immer volle Pulle rennen, Leute! Ab und an Kopf hoch, lächeln, Landschaft gucken«, empfiehlt er.

Lob vom Präsidenten: »Die Rennsteiglaufinitiative des ND ist beispielhaft in der Medienlandschaft.« So 2008 Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins, vor rund 150 Sponsoren und GMRL-Aktivisten im VIP-Großzelt des Zielgeländes.

Daumen hoch: Alexandra Gloy (18) und Oma Carola-Merita Wall (65) schaffen 2009 gemeinsam die 17-km-Wanderstrecke. »Nächstes Jahr kommen wir wieder«, versichern sie. So auch Eckhard Dürr (55) aus Neuendettelsau, nach seinem Premiere-Lauf. Waldemar »Waldi« Cierpinski (58), zweifacher Marathonolympiasieger und Ehrenkapitän, hebt den Daumen und wünscht viel Erfolg.

Grüße von Haile Gebrselassie: »Meine Laufzeit ist nicht so wichtig wie das Gemeinschaftsgefühl und die Freude am Ziel«, sagt Ines Sarnighausen (60), die 2010 mit Tochter und Schwiegersohn dabei ist. »Das ist inzwischen auch meine Devise«, bekräftigt Ehrenkapitänin Gunhild Hoffmeister (65; drei Olympiamedaillen auf den Mittelstrecken). Dem Rennsteiglaufverein überreicht sie ein ND-Trikot mit Autogramm des Olympiasiegers und oftmaligen Marathonweltmeisters Haile Gebrselassie.

GMRL zum 40sten: 2012 geht der nd-Sportpreis an den GutsMuths-Rennsteiglauf, der zum 40. Mal stattfindet. Gewürdigt wird das »Gesamtkunstwerk«: es als einzige DDR-Großsportveranstaltung rüber in die BRD geschafft zu haben , bewährt bodenständig zu bleiben und ohne Großsponsoren sowie Start- und Preisgelder für große Namen auszukommen. Auch 40 einstige DDR-Weltsportstars erweisen dem GMRL ihre Referenz.

Start in den Wahlkampf: Heinz-Peter Schwertges (53) schafft 2013 den Supermarathon eine halbe Stunde schneller als im Vorjahr. Gutes Zeichen, sagt er, denn jetzt geht es ab in den Bundestagswahlkampf. Die Linke hat ihn für den Wahlkreis Karlsruhe-Land nominiert. Hans Grodotzki (77), nd-Ehrenkapitän, gibt den Startschuss zum Halbmarathon. 1960 gewann der Langstreckler zwei Mal Olympiasilber.

Selbstverständnis: »Wichtig ist nicht die Zeit, die ich laufe, sondern die Zeit, in der ich laufe.« So Ursula Opitz (52) aus Hannover, 2014 erstmals im nd-Team. Dieses Selbstverständnis dürfte auf dem Rennsteig vielen gemeinsam sein. Außer solchen harten Typen wie Christian Seiler (31), nicht im nd-Team, dennoch GMRL-Legende, der zehn Mal eine der drei Hauptstrecken gewann.

Doppelspitze: Im nd-Team 2016 sind 64 Starterinnen und Starter, Tendenz weiter stagnierend. Die Ehrenkapitänswürde teilt sich die Doppelspitze Christa Luding-Rothenburger (Olympiagold im Eisschnelllauf und -silber im Bahnradsport) sowie Extremläufer Robby Clemens (»Worldrun«, 2007; »Vom Nordpol zum Südpol«, 2017/18).

Besonderes Autogramm: »Als ich las, dass Täve wieder mal am nd-Stand ist, gab es für mich kein Halten«, erzählt Jan Anders (42) aus Rostock. Bereits sein Vater sei Täve-Fan gewesen. Der Sohn bringt 2017 einen Rennradrahmen mit, den Täve signiert.

Team-König: Reiner Lösch aus Schwallungen kommt unter großem Hallo mit einer goldenen (Papp-)Krone zum Mannschaftstreff, denn er hatte den GMRL zum 40. Mal absolviert. Zusammen mit seiner Frau Inge nebst Hund ist auch Hans-Helmut Aue erneut im Team. Nun schnell zurück ins heimatliche Göttingen, dann am nächsten Wochenende wieder hoch nach Berlin zu ndLive. Rentner müsste man sein.

Aufbau West: Nach seiner 17-km-Wanderung komm Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) 2019 zielstrebig zum nd-Stand. »Dass ihr schon so lange mit einer Mannschaft dabei seid, finde ich toll«, sagt er. Realschullehrerin Carola Schmidt aus Dettingen, mit ihrem Mann Norbert beim Halbmarathon, erzählt, dass sie »nd« öfter im Unterricht benutze. »Das ist mein Beitrag zum Aufbau West«, kommentiert sie verschmitzt.

»Rennsteigläufer at Home«: 2020 Corona-Zwangspause. Auch nd-Teammitglieder beteiligen sich an der virtuellen GMRL-Aktion »Rennsteigläufer at Home« sowie am vom »nd« organisierten »16,5 km mal 7«-Test. Ob das dem Aufbautraining für den knüppelharten Rennsteig gut getan hat, wird letztlich der 2./3. September 2021 zeigen.

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