Werbung

Botschaft gegen das Vergessen

Robert D. Meyer über die letzten Verfahren wegen NS-Verbrechen

  • Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 1 Min.

In Umfragen erklärt etwa die Hälfte der Befragten, es sei an der Zeit, dass Deutschland ganz oder teilweise einen Schlussstrich unter seine NS-Vergangenheit zieht. Im Bundestag sitzt eine Partei, die den Hitler-Faschismus zum »Vogelschiss« degradiert. Je weiter die NS-Verbrechen zurückliegen, umso stärker drängt sich der Eindruck auf, dass das Wissen und die sich daraus ableitenden Schlussfolgerungen - eine klare humanistische Haltung und die Verteidigung der Grundrechte - wieder in Vergessenheit geraten.

Allein deshalb ist es wichtig, dass die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen weiter gegen frühere NS-Verbrecher*innen ermittelt. Untersuchungen gegen einige Dutzend Verdächtige laufen, wahrscheinlich werden sich nicht mehr alle aufgrund ihres hohen Alters und schlechten Gesundheitszustandes verantworten müssen. Hoffnung aber macht, dass demnächst sogar ein 101-jähriger Ex-Wachmann aus dem KZ Sachsenhausen vor Gericht steht.

Dabei ist es zweitrangig, wie hoch das Strafmaß ausfällt. Allein die Tatsache, dass solche Verfahren 76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch abgeschlossen werden, sendet ein Signal, dass es keinen Schlussstrich geben darf. Es ist eine Botschaft gegen das Vergessen.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das "nd" mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal