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Schlangengift gegen Covid-19

Eiweißstoff aus dem Toxingemisch einer brasilianischen Lanzenotter wirkt im Labor

  • Von Norbert Suchanek
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Gift der Bothrops Jararacussu könnte demnächst im Kampf gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen.
Das Gift der Bothrops Jararacussu könnte demnächst im Kampf gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen.

Bothrops Jararacussu ist eine der größten Giftschlangen Südamerikas. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist der Atlantische Regenwald, der sich von Süd- bis Nordostbrasilien zieht. Während diese bereits zu rund 90 Prozent abgeholzt wurde, könnte just das Gift der dort heimischen Schlange Menschenleben retten. Brasilianische Forscher haben in den Toxinen dieser Lanzenotterart ein Molekül entdeckt, das die Vermehrung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 bremst und damit Grundlage für ein vielversprechendes Medikament sein könnte.

Ein Forscherteam von Universitäten des Bundesstaates São Paulo hat aus dem Gift der Jararacussu ein Myotoxin namens Bothropstoxin-I isoliert und einen Baustein davon, ein sogenanntes Peptid, genauer untersucht. In Tests mit Affenzellen hemmte das identifizierte, für den Menschen nicht-toxische Peptid zu 75 Prozent die Vermehrungsfähigkeit des tödlichen Virus, so die jüngst in der Fachzeitschrift »Molecules« veröffentlichte Studie.

Die Forschergruppe habe bei einer früheren Untersuchung bereits antibakterielle Toxine im Jararacussu-Gift identifiziert, erläutert Studienleiter Eduardo Maffud von der Landesuniversität Paulista (UNESP). »Aufgrund der voranschreitenden Covid-19-Pandemie wollten wir sehen, ob Peptide des Schlangengifts auch gegen Sars-CoV-2 wirken.« Ein darauf basierendes mögliches Medikament könnte durch die Hemmung des Covid-19-Erregers dem Körper mehr Zeit geben, Antikörper zu bilden, um der Krankheit zu widerstehen. Abhängig von der Dosierung könnte das Molekül auch die Zellen vor dem Virus schützen und damit sogar das Eindringen des Erregers in den Körper verhindern.

Doch dafür seien noch weitere Studien nötig. Einer der nächsten Schritte seien In-vivo-Tests, also Tierversuche - beispielsweise an Mäusen. Maffud: »Wenn das Ergebnis positiv ist, werden wir eine Behandlung entwickeln.«

An der Studie waren neben Wissenschaftlern der UNESP auch Forscher der Universität São Paulo (USP), der Bundesuniversität São Carlos (UFSCar) und der Bundesuniversität São Paulo (UNIFESP) beteiligt.

Bothrops Jararacussu ist eine majestätische und kräftige Schlange. Sie wird über zwei Meter lang und ist damit Brasiliens zweitgrößte Giftschlange. Ihr brasilianischer Name Jararacuçu stammt aus der indigenen Tupi-Sprache. Ihr mit Myotoxinen angereicherter, tödlicher Giftcocktail, den sie mit besonders langen Giftzähnen in den Körper ihrer Opfer spritzt, verringert die Blutgerinnung und schädigt das Herz-Kreislauf-System. Zudem kann es zu Hirnblutung, Blutungen im Verdauungstrakt, Nierenversagen und Gewebeschäden kommen - bis hin zu Nekrosen und Erblindung. Obwohl ihr Lebensraum, der Atlantische Regenwald, schon vor Jahrzehnten zum größten Teil vernichtet wurde, steht sie in Brasilien nicht auf der offiziellen Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Doch die Abholzung dieses an endemischen Arten besonders reichen Waldökosystems geht beschleunigt weiter.

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