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Versöhnliche Töne, mehr nicht

Stephan Fischer zum letzten Polen-Besuch der Bundeskanzlerin

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 1 Min.
Als Angela Merkel 2005 Bundeskanzlerin wurde, war Polen gerade einmal ein Jahr EU-Mitglied. Enthusiastisch und vorwärtsstrebend bis hin zur Musterschülerschaft, dabei ökonomisch und politisch ein Leichtgewicht innerhalb der Union.16 Kanzlerjahre Merkels später scheint es geradezu umgekehrt – während Polen nicht mehr lange braucht, bis es Nettozahlerland innerhalb der EU und einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands ist, hat sich das Verhältnis zur EU deutlich abgekühlt. Angela Merkel hat diesen Prozess beobachtet – mehr leider wohl nicht.

Bei ihrem letzten Besuch in ihrem Amt in Warschau hat sie nun versöhnliche Töne angeschlagen. Dass Präsident Duda anders als Premier Morawiecki sie nicht einmal empfing, hat sie altersamtsmilde übergangen. Der Baustellen sind viele, Merkel sprach sie an, aber eben auch nicht mehr. Belarus, Nordstream 2, das Spannungsverhältnis in der Justiz – da fielen am Wochenende fast nur Stichwörter für tiefer gehende Konflikte, die nicht gelöst oder teilweise nicht einmal adäquat formuliert wurden. Das polnisch-deutsche Verhältnis wird in der Bewertung der Ära Merkel auf hinteren Seiten zu finden sein. Vielleicht reicht es für versöhnliche Töne – mehr gewiss wohl nicht.

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