Werbung
  • Politik
  • Gedenkstätte Hohenschönhausen

Herr Sbutewitsch

AfD-Politiker soll sich als falsches Stasi-Opfer ausgegeben haben

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

Geht es um Kritik am Gebaren der AfD, werden neue Hintergründe zu ihren rechtsextremen Seilschaften aufgedeckt, reagieren Parteivertreter*innen darauf oft polemisch: Es handele sich um nichts weiter als Versuche, politische Konkurrenz mit »DDR«- oder »Stasi-Methoden« zu diffamieren. Die AfD, die sei doch schließlich eine ehrenwerte Rechtsstaatspartei. Im Großen wie im Kleinen beweisen deren Vertreter*innen jedoch regelmäßig, wie wenig Substanz hinter dieser Selbstbeschreibung steckt.

Ein weiteres Heuchelei-Kapitel fügt dieser Erzählung nun Rainer Schamberger hinzu. Oder sollte man den 70-Jährigen besser mit Olexander Sbutewitsch ansprechen? Unter diesen Namen soll der Vize-Vorsitzende der AfD-Fraktion im Kreistag von Dahme-Spreewald in der Gedenkstätte Hohenschönhausen gearbeitet haben. Seit 2017 führte Schamberger alias Sbutewitsch auf Honorarbasis Besuchergruppen durch das frühere Gefängnis der DDR-Staatssicherheit, berichtet zuerst die »Märkische Allgemeine«.

Zweifel an seiner Identität kamen auf, nachdem ein Foto Schambergers in einem Medienbericht über dessen Arbeit als AfD-Kommunalpolitiker erschien und jemand die große Ähnlichkeit mit Sbutewitsch auffiel. Die Gedenkstätte bat ihren freien Mitarbeiter zum Gespräch, doch Schamberger stritt zunächst ab, dass es sich bei ihm und dem angeblichen Ukrainer um dieselbe Person handelt.

Mehrere Zeugen bestätigten jedoch das Doppelleben, die Gedenkstätte trennte sich von Schamberger aka dem falschen Sbutewitsch. Auch seine Ämter in der AfD lässt er inzwischen ruhen. Laut Website des Kreistages Dahme-Spreewald ist der 70-Jährige Jurist und Ökonom, laut »Märkischer Oderzeitung« war er zu DDR-Zeiten als Gastdozent an einer Universität in der Ukraine tätig. Dieser winzige Teil seiner wahren Vita dürfte die Grundlage für die falsche Geschichte des Aussiedlers Sbutewitsch gewesen sein.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung