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Mehr Holz statt Beton am Bau fürs Klima

Das Land Brandenburg fördert die Klimaschutz-Initiative »Bauhaus der Erde« mit 500 000 Euro

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Die größten Wohnungsbauvorhaben der Nachbarstädte Berlin und Potsdam verschreiben sich der Nachhaltigkeit. Doch während die Bundeshauptstadt auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tegel mit dem Schumacher-Quartier gleich ein weltweit Aufsehen erregendes Holzbau-Wohngebiet und Schwammstadt-Infrastruktur für rund 10 000 Menschen baut (bei der Schwammstadt geht es um das Halten des Wassers), bleibt Potsdam im Stadtteil Krampnitz deutlich bescheidener. Inmitten alter Kasernen sind auch dort Tausende Neubauwohnungen geplant. Doch heißt hier »öko« zunächst vor allem begrünte Dächer mit Solaranlagen und Regenwassermanagement sowie ein klimafreundliches Energie- und Mobilitätskonzept. Der große Unterschied besteht in der Entscheidung, den mit energieintensiv und mit hohen CO2-Emissionen produzierten Beton als Baumaterial in großem Umfang durch Holz, einen nachwachsenden Kohlenstoffspeicher, abzulösen.

Abkehr vom konventionellen Denken

Dass vor dem Hintergrund der weltweiten Klimakrise gerade im Bausektor weit mehr als bisher getan werden muss, ist das Kernanliegen der Initiative »Bauhaus der Erde«, deren Anliegen darin besteht, bis 2027 die Form des konventionellen Bauens zu ändern, um Nachhaltigkeit und Inklusion zu fördern. Das vom Bund, aber auch von zahlreichen Persönlichkeiten geförderte Projekt wird nun auch durch das Land Brandenburg unterstützt.

Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) hat am Freitag gemeinsam mit dem Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesumweltministerium, Florian Pronold (SPD), den Grundstein für eine strategische Partnerschaft mit der Bauhaus der Erde gGmbH gelegt. Diese von Schellnhuber und Marc Weissgerber, dem ehemaligen Vorstand der EU-Initiative für Klimainnovationen, 2019 ins Leben gerufene Initiative sieht sich als Keimzelle einer globalen Bewegung mit dem Ziel, die gebaute Umwelt in den nächsten Jahrzehnten nachhaltig zu transformieren.

Die Bauhaus-Initiatoren verweisen darauf, dass das Pariser Klimaabkommen von 2015 völkerrechtlich festgelegt hat, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Inzwischen betrage jedoch der globale Temperaturanstieg bereits 1,25 Grad. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums ist der Bausektor durch Errichten, Nutzen und Rückbau von Konstrukten für rund 40 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Etwa elf Prozent der globalen Emissionen gingen dabei direkt auf das Konto der Betonproduktion.

»Ohne radikale Bauwende auf Basis einer biobasierten Kreislaufwirtschaft wird das Pariser Klimaabkommen scheitern«, warnte Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Co-Geschäftsführer des Bauhauses der Erde, bei der Vorstellung.

Der weltbekannte Potsdamer Klimaforscher will die Idee des 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten Bauhauses mit neuen Inhalten reaktivieren. Während es damals als Schule für Architekten, Künstler und Designer künstlerische Gestaltung und Handwerk verbinden wollte, geht es den Initiatoren heute darum, für mehr Klimaschutz beim Bauen zu sorgen.

Bauen für klimafreundliche Städte

Das Land Brandenburg werde die Bauhaus der Erde gGmbH ab 2022 mit jährlich 500 000 Euro fördern, erklärte Wissenschaftsministerin Schüle in Potsdam. »Der Klimaschutz ist die zentrale Aufgabe für die Politik der kommenden Jahre. Bislang reden wir viel zu wenig über klimafreundliches Bauen, über klimafreundliche Städte«, betonte sie. Es sei allerhöchste Zeit, unterschiedliche Disziplinen, unterschiedliche Perspektiven zusammen zu denken.

Zum Förderbetrag des Bundes konnte Staatssekretär Pronold vor der Bundestagswahl keine Angaben machen. »Holz ist ein wichtiger Bestandteil für die Bauwende, um die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen zu können«, sagte er. Daher begrüße er die Initiative. »Das ›Bauhaus der Erde‹ wird einen signifikanten Beitrag zur Transformation und zu mehr Klimaschutz im Gebäudebereich leisten.«

Die Europäische Kommission hat mit dem New European Bauhaus inzwischen die Idee aufgegriffen. Für die Aufbauphase hat das deutsche Bauhaus der Erde jetzt eine Förderung in Höhe von 2,5 Millionen Euro von der Laudes Foundation erhalten.

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