Werbung
  • Sport
  • Fußball Frauen-Bundesliga

Schuss vor den Bug

Theo Zwanziger fordert vom DFB die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga

  • Von Frank Willmann, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 4 Min.

»Unser Theo« hieß es irgendwann fast liebevoll, wenn sich Theo Zwanziger in seiner sechsjährigen Amtszeit als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) inmitten der Nationalspielerinnen bewegte. Wer hatte denn dazu beigetragen, dass Silvia Neid zur Bundestrainerin aufstieg oder die Frauen-WM 2011 nach Deutschland kam? Tief im Herzen hat der durchaus streitbare Strippenzieher aus Altendiez lieber Frauen- als Männer-Länderspiele besucht, weil es dort familiärer, herzlicher und bodenständiger zugeht. Doch nur mit diesen Attributen geht es auch nicht voran. Weshalb der Ex-Chef nun hinter einem Vorstoß steht, der erhebliche Unruhe im Verband ausgelöst hat: Der Fußballverband Rheinland hat für den DFB-Bundestag am 11. März 2022 die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga beantragt. Es ist eine Art Misstrauensvotum.

Zwanziger geht es um neue Strukturen und eine bessere Sichtbarkeit der Liga, damit letztlich auch mehr Geld hereinkommt. Von seinem Sohn Ralf, Abteilungsleiter bei der TSG Hoffenheim, dem besten Ausbildungsverein der Frauen-Bundesliga, weiß der 75-Jährige: Die meisten Klubs werden unter dem Dach eines Männerklubs quersubventioniert: Einnahmen von im Schnitt 1,1 Millionen Euro stehen Ausgaben von 2,1 Millionen entgegen. Ähnlich wie bei den Männern in der Deutschen Fußball-Liga (DFL), so der neue Plan, soll aber der professionelle Bereich der Frauen selbst vermarktet werden. Ein solches Modell hatte auch der Präsident des FC Bayern, Herbert Hainer, schon befürwortet und das »eine ernsthafte Überlegung« genannt. Die DFL plant so schnell keine Aufnahme der Frauen-Bundesliga, auch wenn ihr bald scheidender Chef Christian Seifert solche Gedankenspiele einst öffentlich gemacht hatte. Zwanziger sagt jetzt, er habe einen Stein ins Wasser geworfen.

Eng an seiner Seite wusste der ehemalige DFB-Präsident stets Siegfried Dietrich, den Strippenzieher des längst bei Eintracht Frankfurt aufgegangenen Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt. Der 64-Jährige fungiert heute als Sportdirektor der Eintracht-Frauen und zugleich als Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen im DFB. Dietrich bestätigt den Eingang des Antrags und verspricht: »Wir werden uns bei der nächsten Sitzung intensiv damit beschäftigen.«

Das wird Anfang November sein. Vorgespräche sind geführt. Mit Karin Danner vom FC Bayern und Tobias Trittel vom VfL Wolfsburg haben in dem 13-köpfigen Ausschuss auch die zwei Spitzenklubs, die bereits häufiger ein höheres Tempo bei der Entwicklung der Liga eingefordert haben, eine Stimme.

Der DFB will derweil nicht viele Gründe erkennen, warum die höchste Frauen-Spielklasse plötzlich abgespalten werden soll, zumal wichtige Verträge noch weiterlaufen. Und Holger Blask, dem Geschäftsführer Marketing & Vertrieb der DFB GmbH, kann bestimmt nicht vorgeworfen werden, er setze sich nicht für höhere Erlöse im weiblichen Segment ein. Doch vieles ist eben noch ein Zuschussgeschäft, auch wenn Siegfried Dietrich es lieber »lohnendes Investment« nennt. Man will Sponsoren überzeugen, den Fußball gleichberechtigter zu fördern. Die ehemalige Managerin des Nationalteams, Doris Fitschen, arbeitet für die Bewerbung auf die Frauen-WM 2027 an genau solchen Strategien: »Wir wollen zu mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft beitragen.«

Geht das ohne den DFB besser und schneller? Nein, meint die derzeit als Generalsekretärin tätige Heike Ullrich. Sie sieht ihren Verband als den »richtigen Ligaträger« an, weil er die Verbindung zur 2. Bundesliga, Talentförderung oder dem Nationalteam am besten managt. Dass in England ganz andere Beträge generiert werden, steht außer Frage, doch die rund 300 000 Euro, die jeder Frauen-Bundesligist aus der zentralen Vermarktung erhält, können sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen.

Seit dieser Saison werden zudem alle Spiele für eine Live-Übertragung produziert, was einen erheblichen Mehrwert bedeutet. Auch DFB-Pokalspiele sind vermehrt im Angebot, die Länderspiele sowieso. Wer die mediale Präsenz mit den Bildschirmzeiten im Handball, Basketball oder Volleyball der Frauen vergleicht, stellt fest: Da wird auf hohem Niveau geklagt. Dass es immer noch genug zu verbessern gibt, weiß Dietrich aber auch: »Es ist schon viel auf den Weg gebracht, es muss aber auch noch viel passieren. Vereine und Verbände sind ständig gefordert.«

Nun ist aus den eigenen Reihen der Handlungsdruck erhöht worden, um die Kampagnen und Lippenbekenntnisse für die Förderung des Frauenfußballs mit Leben zu füllen. Wenn das geschieht, so ist zu hören, wäre das nicht der erste Antrag, der noch kurz vor der Abstimmung auf einem Bundestag wieder zurückgezogen wird.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung