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Wie rette ich mein Erspartes?

Inflation auf dem Höchststand

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.
Inflation: Wie rette ich mein Erspartes?

Am 6. Oktober 2021 verhandelte der Bundesgerichtshof über eine Musterfeststellungsklage, mit der rund 1.300 Betroffene gegen Zinssenkungen in ihren Prämiensparverträgen vorgegangen sind.

Die Inflation ist zurück. Mit einer Preissteigerung von 3,9 Prozent im August wird die höchste Inflationsrate seit den neunziger Jahren verzeichnet. Verglichen mit der Zeit vor der Corona-Pandemie, als die Teuerungsrate lange um ein Prozent pendelte, hat sich der unterliegende Preisauftrieb demnach erkennbar verstärkt.

Das ist durchaus in der Brieftasche zu spüren, an der Tankstelle oder auf dem Wochenmarkt, beim Einkauf von Obst und Gemüse. Aber auch auf Ersparnisse hat eine hohe Inflationsrate Auswirkungen. Nur werden sie nicht sofort sichtbar, denn auf einem Sparbuch oder auf dem Festgeldkonto bleiben die Kontostände unverändert. Doch die Kaufkraft sinkt.

Warum steigen die Preise?

Tatsächlich geht ein beträchtlicher Teil des stärkeren Preisauftriebs in diesem Sommer auf den Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten zurück, der die Industrie schon seit mehr als einem Jahr bremst, schreiben die Volkswirte der Commerzbank. Zum einen haben sich dadurch bei vielen Waren die Produktionskosten erhöht, welche die Unternehmen postwendend an ihre Kunden weitergeben. Zum anderen kann die eingeschränkte Produktion die starke Nachfrage nicht befriedigen, was sehr viel Spielraum für weitere Preiserhöhungen schafft.

Die Experten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) weisen zudem auf die erhöhte Mehrwertsteuer hin. Im Sommer 2020 hatte die Bundesregierung den regulären Satz zeitweilig von 19 auf 16 Prozent gesenkt, um in der Corona-Pandemie Nachfrage und Konjunktur zu stärken. Seit Juli 2021 gilt wieder der alte, höhere Steuersatz.

Für Sparer erst einmal »Entwarnung«. Ohnehin gibt es für Geld, welches für Notfälle jederzeit verfügbar sein soll oder in zwei, drei Jahren wieder benötigt wird, keine wirklichen Alternativen zu klassischen Produkten wie Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Die werden allerdings so niedrig verzinst, dass sie ständig an Kaufkraft verlieren. Immerhin ist Ihr Geld dort sicher aufgehoben! Eine Dienstleistung, die auch mal etwas kostet.

Ein Schnäppchen in der Inflation?

Anders sieht es bei langfristigen Geldanlagen aus. Bei einem Guthaben von 10 000 Euro bleibt Ihnen bei einer Inflationsrate von 3,9 Prozent nach zwei Jahren nur noch eine Kaufkraft von 9263,37 Euro übrig. Ist es möglich, der Inflation ein Schnäppchen zu schlagen? Die Antwort: jein. Aktien bringen im historischen Rückblick eine durchschnittliche jährliche Rendite von fünf bis zehn Prozent - je nachdem, wann ein Anleger eingestiegen ist. Es besteht immer ein großes Risiko von Verlusten. Die könnte eine zweite Corona-Pandemie ebenso verursachen wie persönliche Probleme, wenn Sie plötzlich in einer Phase ihre Aktien verkaufen wollen, in der die Kurse in den Keller fallen. Was immer mal wieder vorkommt.

Solange die Konjunktur läuft, sind Rohstoffe ein möglicher Inflationsausgleich. Über Fonds und andere Finanzprodukte können Sie darauf wetten. Auch Immobilien gelten seit der »Großen Inflation« als Anker.

Oder Gold, dessen Kurs zur Zeit allerdings eher am Fallen ist. Schließlich ist Gold nur so viel wert (sehen wir vom rein materiellen Wert ab), wie ihm Menschen und Investoren beimessen. Die größten Eigentümer und zeitweilig Verkäufer/Käufer von Gold sind übrigens die Zentralbanken. Das heißt, wie bei der Inflation dreht die Europäische Zentralbank (EZB) mit am Rad.

Briefmarke für 10 Millionen Mark

Nach dem Ersten Weltkrieg fand in Deutschland eine Geldentwertung statt, die bis heute als Legende besonders die Bundesbürger ängstigt. Im November 1923 kostet eine Briefmarke dann 10 Millionen Mark. Soweit dürfte es dieses Mal nicht kommen. In der Fachwelt wird heftig um die Frage gestritten, ob die aktuelle Teuerung dauerhaft oder nur vorübergehend sein wird. Die amerikanische Finanzministerin und frühere Chefin der Notenbank Fed, Janet Yellen, glaubt, dass sich die Inflation noch in diesem Jahr wieder auf ein niedriges Niveau einpendeln werde. Derzeit glauben auch wohl nur wenige Ökonomen, dass die Inflation den Zielwert von »nahe 2 Prozent« längerfristig übersteigen wird.

Dennoch gibt es auch Faktoren, die für eine dauerhaft höhere Inflationsrate sprechen. Ausgelastete Kapazitäten - wie heute etwa in der Bauwirtschaft - könnten die Preise nachhaltig in schwindelnde Höhen treiben. Auch die Alterung der Industriegesellschaften und der Mangel an Fachkräften, eine Zuspitzung des Konfliktes USA-China oder Ressourcenknappheit könnten zu Preistreibern mutieren.

So übertrifft der HWWI-Rohstoffpreisindex seinen Vorjahreswert um rekordverdächtige rund 90 Prozent. Auch die geplanten höheren CO2-Preise und der Mehrbedarf an Strom im Zuge der Energiewende könnten zudem die Energiekosten weiter steigen lassen.

Es herrscht also aus Sparersicht eine gewisse Unsicherheit vor. Unterm Strich sollten Sie dennoch erst einmal die Inflationsentwicklung abwarten, bevor Sie Ihr Erspartes umschichten. Auf steigende Zinssätze sollten die Sparer in absehbarer Zeit nicht hoffen.

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