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Chronischer Hunger nimmt zu

Entwicklungshilfeorganisation: Weltgemeinschaft ist dramatisch vom Kurs abgekommen

  • Von Lisa Ecke
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein Kind wird aufgrund von Unterernährung medizinisch behandelt.
Ein Kind wird aufgrund von Unterernährung medizinisch behandelt.

Weltweit leiden bis zu 811 Millionen Menschen an chronischem Hunger. 155 Millionen befinden sich derzeit in einer akuten Ernährungskrise, das sind fast 20 Millionen Menschen mehr als im Jahr 2019. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Welthunger-Index 2021 (WHI 2021) der Welthungerhilfe hervor.

Die internationale Gemeinschaft hatte sich mit der Agenda2030 dazu verpflichtetet, den Hunger bis 2030 zu besiegen. Von diesem Ziel sei die Weltgemeinschaft nun laut Welthungerhilfe dramatisch vom Kurs abgekommen. Für 47 Länder ist laut WHI 2021 ausgeschlossen, dass sie bis 2030 ein niedriges Hungerniveau erzielen werden. »Hungersnöte sind zurück und multiple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen. Die Corona-Pandemie hat die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft und Millionen Familien haben ihre Existenzgrundlage verloren«, sagte Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe bei der Vorstellung des Welthunger-Index in Berlin. »Die größten Hungertreiber bleiben aber Konflikte und der Klimawandel«, so Thieme.

Die Anzahl der gewaltsamen Konflikte hat in den letzten Jahren wieder zugenommen, in acht von zehn Ländern mit einer sehr ernsten oder gravierenden Hungersituation tragen Konflikte laut WHI 2021 maßgeblich zum Hunger bei. Insgesamt ist die Hungersituation in fast 50 Ländern ernst, sehr ernst oder gravierend. Von allen Regionen weist demnach Afrika südlich der Sahara die höchsten Raten von Unterernährung, Wachstumsverzögerung bei Kindern und Kindersterblichkeit auf.

Seit 2012 gebe es in lediglich 14 Länder signifikante Verbesserungen ihrer jeweiligen Hungersituationen. Schätzungen gehen darüber hinaus davon aus, dass die Folgen des Klimawandels bis 2050 die Zahl der chronisch Hungernden um rund 78 Millionen Menschen zusätzlich steigern könnte. »Die Ärmsten und Schwächsten werden von den Folgen des Klimawandels besonders hart getroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen«, fasste Thieme zusammen. »Daher brauchen wir auf der anstehenden Klimakonferenz im November in Glasgow klare und verbindliche Ziele für die Reduzierung des CO²-Ausstoßes sowie finanzielle Unterstützung für die Förderung von Klimaresilienz«, forderte die Präsidentin der Welthungerhilfe.

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