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Der Insider

Der Ex-Häftling Sergej Saweljew hat Foltervideos aus einem russischen Gefängnis geschmuggelt

  • Von Birger Schütz
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein vor Schmerzen schreiender Mann, der mit einem klebebandumwickelten Schrubberstiel vergewaltigt wird, ein kniender Häftling, dem auf den Kopf uriniert wird, Gefangene, die gezwungen werden, sich gegenseitig an ihren Genitalien zu halten: Die Videos, die Sergej Saweljew aus einem Gefängnis im südrussischen Saratow schmuggelte, sind grauenhafte Dokumente der Gewalt und Erniedrigung. Viele Russen empören sich über die Aufnahmen, welche die Anti-Folter-Organisation Gulagu.net Anfang Oktober veröffentlichte. Saweljew sammelte die schockierende Mitschnitte während einer siebeneinhalb Jahre langen Haftstrafe wegen Drogenhandels, die er unter anderem in einem berüchtigten Saratower Gefängnis absaß, aus dem schon 2013 Foltergerüchte an die Öffentlichkeit drangen. Der 31-jährige Belarusse arbeitete in der Haft als IT-Techniker und konnte sich so Zugang zum Server des Gefängnisses verschaffen. Auf diesem entdeckte Saweljew Aufnahmen von Knopfkameras der Strafvollzugsbeamten, welche nach dem Auslesen zwischengespeichert wurden - vor der endgültigen Löschung.

Saweljew war von der Gewalt allerdings so geschockt, dass er beschloss, die Videos vor der Vernichtung zu bewahren - ohne zunächst zu wissen, was er mit den Folterdokumenten anstellen sollte. Insgesamt sammelte er Videos im Umfang von mehr als 100 Gigabytes, versteckte sie zunächst auf USB-Sticks im Gefängnis und übergab sie nach seiner Entlassung im Februar an Aktivisten von Gulagu.net.

Im Lauf des darauf folgenden Justizskandals mussten mehrere hohe Beamte ihren Hut nehmen, die Justiz leitete Ermittlungen ein - und Sergej Saweljew geriet in den Fokus der Behörden. Ende September flüchtete der Whistleblower nach einer vorübergehenden Festnahmen in Moskau nach Frankreich, um politisches Asyl zu beantragen. Am Wochenende schrieb ihn das russische Innenministerium nun zur Fahndung aus.

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