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Die Impfangebote stärker verbreiten

Statt Schuldige zu suchen, müssen Angebote und Kommunikation verbessert werden

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.
Es braucht mehr solcher flexibler Angebote: der Berliner Impfbus war am Wochenende unterwegs.
Es braucht mehr solcher flexibler Angebote: der Berliner Impfbus war am Wochenende unterwegs.

Berlin muss aufpassen. Denn der Ton wird rauer: Die Maßnahmen, mit denen hektisch versucht wird, noch auf die explodierenden Zahlen von Covid-Patient*innen in den Krankenhäusern und erneut immer mehr Sterbenden in Pflegeheimen Einfluss zu nehmen, werden begleitet von einem zunehmend unduldsamen Gestus.

Im letzten Winter hatten noch pädagogisch vorgetragene Bitten um Verständnis und Geduld dominiert, weil man glaubte, mit der einsetzenden Impfkampagne das Infektionsgeschehen bald in den Griff zu bekommen. Derzeit gerät man angesichts der dramatischen Lage zunehmend aus der Fassung. Sowohl Vertreter*innen der Politik, des Robert-Koch-Instituts, der Kassenärztlichen Vereinigung ringen um Worte, wählen Schilderungen, die Panik verschiedener Graduierung erzeugen: Werden die Alten und pflegebedürftigen Angehörigen wieder unerreichbar in den Heimen bleiben? Werden die Schulen in drei oder schon in zwei Wochen geschlossen? Wie komme ich an die Booster-Impfung, wenn die Impfzentren zu sind? Droht noch ein Winter ohne Skiurlaub? Und was ist mit Weihnachten?

Man mag sich in dieser oder jenen Frage wiedererkennen. Zudem befeuern Aussagen, die nicht ohne Schuldzuweisung auskommen, vor allem die Radikalisierung, mit der die Impfgegnerszene derzeit auf autoritäre Maßnahmen reagiert. Sie tritt besonders dort offen in Erscheinung, wo sich seit Jahrzehnten rechtsextreme und rechtsoffene Strukturen nahezu ungehindert entwickeln konnten, weil die herrschende Politik das nicht als Problem ansehen wollte.

In Berlin gab es zuletzt ein klares politisches Bekenntnis, rechtsoffenen Bewegungen wie »Querdenken« keinen öffentlichen Zulauf zu gewähren. Aber begleitet werden muss das von besseren Angeboten zum Impfen und Testen, von einer Kommunikationsoffensive, die da ansetzt, wo man anscheinend im frühsommerlichen Wahlkampftaumel aufgehört hat. Dazu gehören der Verzicht auf Sündenbock-Rhetorik, aber auch Ehrlichkeit: Ein »normales« Weihnachten wird es auch in diesem Jahr nicht geben.

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