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  • Dortmund in der Champions League

Neuer Trainer, alte Fehler

Verletzungsgeplagt scheitert Borussia Dortmund früh in der Champions League

  • Von Daniel Theweleit
  • Lesedauer: 5 Min.
Sporting Lissabons Pedro Goncalves (r.) durfte gegen Dortmund gleich zwei Treffer bejubeln.
Sporting Lissabons Pedro Goncalves (r.) durfte gegen Dortmund gleich zwei Treffer bejubeln.

Es war ein seltsamer Impuls, dem Marco Rose während seines ersten Statements nach dem bislang schmerzlichsten Erlebnis als Trainer von Borussia Dortmund folgte. »Wenn es einfach reicht, in so einem wichtigen Spiel in der Champions League kompromissloser und konsequenter zu sein, dann hat man es sich verdient«, sagte er nach der 3:1-Niederlage bei Sporting Lissabon, in deren Folge Dortmund aus dem Wettbewerb ausgeschieden ist. Diese Worte enthielten nicht nur Selbstkritik, sondern auch einen leisen Vorwurf an den Gegner, der mit begrenzten Möglichkeiten und einem Otto-Rehagelschen Pragmatismus in die K.o.-Runde eingezogen ist. Roses Augen blitzten gefährlich, als ob er es für verwerflich hält, diesen so glanzvoll strahlenden Wettbewerb mit langen Bällen aus der Abwehrkette an den gegnerischen Strafraum zu beschmutzen, die dann auch noch - wie vor Pedro Goncalves’ 1:0 (30.) - zu Toren führen.

Vielleicht hätte jedoch auch den dauerhaft von Verletzungen gebeutelten Dortmundern in diesem schwierigen Spiel ein weniger fehleranfälliger Spielansatz geholfen. Die Hauptursachen für diese folgenschwere Niederlage sind schließlich schon lange gut bekannt. »Wir diskutieren in dieser Saison immer wieder über die gleichen Fehler«, sagte Marco Reus in Anspielung auf die chronische Neigung seines Teams zu kleinen Unaufmerksamkeiten, zu technischen Fehlern, und zur Nachlässigkeit beim Verteidigen wie vor Goncalves’ 2:0 (39.). Nur ein einziges Mal spielte der BVB im laufenden Spieljahr in der Bundesliga zu Null, in der Champions League sind elf Gegentreffer in fünf Partien einfach zu viel, und irgendwann formulierte Reus einen Satz, der sogar noch eine Ebene tiefer reicht. »Wenn wir mal eine gute Phase haben, kommt dann so was wie heute raus oder in Amsterdam. Und das wirft uns in unserer Entwicklung zurück, weil wir einfach nicht draus lernen.«

Das ist ein hartes Urteil zu einem Klub, der eigentlich weltweit bewundert wird, weil hier ein besonders gutes Lernklima herrscht und immer wieder junge Spieler zu großen Stars reifen. Dieser Prozess ist ins Stocken geraten, seit Marco Rose Cheftrainer ist. Lucien Favre hat in seinen zweieinhalb Jahren beim BVB dreimal das Achtelfinale der Königsklasse erreicht, nun ist der Klub zum ersten Mal seit 2017 wieder in der Gruppenphase gescheitert. Das schmerzt sportlich; in dieser wirtschaftlich angespannten Gesamtlage aber auch finanziell. Ob und zu welchen Anteilen die Arbeit des Trainers zu den Ursachen für diese Enttäuschung zählt, die Rose selbst als »Einschnitt« bezeichnete, lässt sich allerdings nur schwer sagen.

Denn seit dieser Trainer in Dortmund arbeitet, fehlten ständig mehrere wichtige Spieler. Rose ist ein Verwalter des Mangels. Jungstar Erling Haaland ist sowieso nicht zu ersetzen, auch die unberechtigte rote Karte für Mats Hummels beim 1:3 gegen Amsterdam prägte diese Gruppenphase. Das noch größere Problem war aber die Masse der Ausfälle. In den ersten drei Monaten der Saison waren zwei Drittel der Startelfkandidaten irgendwann verletzt oder krank, und wenn die Genesenen zurückkommen, fehlen Fitness und Spielpraxis. Das zählt sicher zu den Gründen dafür, dass Nico Schulz, der zuvor wochenlang ausgefallen war, nach ordentlichem Beginn in Lissabon durch eine völlig missratene Ballannahme das 0:1 einleitete. Schulz war nur ins Team gerückt, weil der ebenfalls ständig mit seinen sensiblen Muskeln kämpfende Raphael Guerreiro sich beim Aufwärmen mit neuen Problemen krankgemeldet hatte.

Das 3:0 (Pedro Porro per Elfmeternachschuss, 81.) ermöglichte Dan-Axel Zagadou durch ein vollkommen unnötiges Foul im Strafraum. Er war nach einer monatelangen Pause auch erst vier Minuten für die erste Mannschaft im Einsatz. Derlei Fehler lassen sich mit fehlender Spielpraxis also erklären.

Und dass Emre Can in einer weiteren Schlüsselszene des Spiels die rote Karte sah, passte zu dieser insgesamt völlig missratenen Champions-League-Saison. Der Platzverweis war zwar umstritten, denn die Fernsehbilder hinterließen eher den Eindruck, dass Can Pedro Porro mit seiner verärgerten Wischbewegung nach einem Zweikampf gar nicht getroffen hatte (74.), Rose jedoch sagte: »Fakt ist, dass wir den Schiedsrichter einfach nicht in so eine Situation kommen lassen sollten, das entscheiden zu müssen.« Can ist als erfahrener Spieler eigentlich für genau solche Partien verpflichtet worden, an diesem Abend war er aber nicht zum ersten Mal Teil des Problems. Dass Donyell Malen in der Nachspielzeit zum 3:1 traf und die Mannschaft bis zum 1:0 »ordentlich im Spiel« war, wie Rose anmerkte, tröstete niemanden. Lissabon war »einfach kompromissloser und konsequenter in bestimmten Situationen«. Diese Beobachtung klang verdächtig nach der in Dortmund so verhassten Mentalitätsdebatte, aber in diesem Herbst spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass exakte Analysen für Beteiligte wie Beobachter gleichermaßen schwer sind.

Und es bleibt ja noch die Europa League, die sich zunächst einmal zweitklassig anfühlt. Aber in diesem Wettbewerb zählen die Dortmunder nun zu den Titelkandidaten. So könnte dieser instabile BVB im kommenden Jahr noch viele spannende Spiele in Europa bestreiten anstatt nur zwei Achtelfinalduelle in der Königsklasse gegen irgendein Team, dass zu stark ist für Marco Roses Projekt.

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