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  • FC Bayern schlägt Dortmund

Schiedsrichter Felix Zwayer sorgt für Diskussionen in der Bundesliga

Bittere Entscheidungen im Spitzenspiel der Bundesliga zwischen Dortmund und München

  • Von Daniel Theweleit, Dortmund
  • Lesedauer: 5 Min.
Nicht immer souverän: Felix Zwayer (2.v.r.) als Schiedsrichter der Partie zwischen Dortmund und Bayern
Nicht immer souverän: Felix Zwayer (2.v.r.) als Schiedsrichter der Partie zwischen Dortmund und Bayern

Selten hat ein derart großes Bundesligaspiel so ambivalente Gefühle hinterlassen, selbst die Münchner konnten sich ungetrübt über ihren 3:2-Sieg bei Borussia Dortmund freuen. Als alle geduscht hatten und die erste Aufregung abgeklungen war, klang noch etwas Begeisterung durch über ein phasenweise hinreißend schönes Fußballfest »mit offenem Visier«, wie BVB-Trainer Marco Rose sagte. Der Mut und die schon länger bekannten Defensivschwächen beider Teams führten zu Dutzenden aufregenden Strafraumszenen und fünf Toren. »Ich würde gerne mehr über Fußball reden. Ich habe ein richtiges Spitzenspiel gesehen, es ging hoch runter, mit Chancen auf beiden Seiten«, sagte Rose. Doch mehr noch als der mitreißende Sport bewegte die Beteiligten auch eine Stunde nach dem Abpfiff die Arbeit des Schiedsrichterteams um Felix Zwayer. Sogar Thomas Müller sagte über die umstrittene Szene, die zu Robert Lewandowskis siegbringendem Elfmeter geführt hatte: »Das ist das Bittere, dass das Spiel entscheidet, deswegen kann ich den Frust und den Ärger verstehen.«

Zwayer hatte nach Hinweis aus dem Videokeller ein Handspiel von Mats Hummels im Strafraum überprüft, seine ursprüngliche Entscheidung revidiert und einen Strafstoß verhängt. Die Dortmunder waren entsetzt, Erling Haaland sprach von einem »Skandal«, und das Publikum bekam ein ungelöstes Grundproblem der Unparteiischen im Umgang mit den Bildern vorgeführt. Zwayer betrachtete in der Review-Area immer wieder einen kleinen Ausschnitt der Situation, vorwärts und rückwärts. Zu sehen war, wie Hummels sich in die Flugbahn des Balles hineinbewegt, der ihm dann auf den tatsächlich recht weit abgespreizten Arm fällt. Der Videoassistent habe ihm gesagt, »dass Hummels den Arm in einer unnatürlichen Haltung vom Körper weggestreckt hat und am Ende den Ball deutlich mit dem Ellenbogen abwehrt«, berichtete Zwayer später. Genau das schienen die Bilder zu bestätigen. Rose jedoch hatte die ganze Situation vor Augen, als er sagte: »Das geht los mit der Hand von Thomas Müller auf Mats Hummels, Mats versucht sich dadurch ein stückweit zu schützen, was sehr natürlich ist, kommt ins Straucheln, sieht den Ball gar nicht mehr, taucht irgendwohin ab und dann fällt ihm der Ball auf die Hand.«

Hätte Zwayers Assistent Tobias Welz einen längeren Ausschnitt gezeigt und diesen mit den zweifellos zutreffenden Worten Roses beschrieben, wäre die Entscheidung sehr wahrscheinlich anders ausgefallen. Mit der Behauptung, Hummels habe den Ball »deutlich mit dem Ellenbogen abgewehrt«, erweckten die Schiedsrichter stattessen den Eindruck, der Verteidiger habe das mit Absicht gemacht, denn die Frage nach dem Motiv für das Handspiel soll ja seit Saisonbeginn im Zentrum der Abwägungen stehen. Absicht lag jedoch sicher nicht vor, auch wenn Julian Nagelsmann auf der Linie der Unparteiischen argumentierte. »In meinen Augen unstrittig, weil er nur mit dem Arm zum Ball geht. Er will zwar nicht, aber es ist Handspiel. Der Arm ist 90 Grad vom Körper weggestreckt und er spielt den Ball zuerst mit der Hand«, meinte der Trainer des FC Bayern.

Verstärkt wurde die Wut vieler bei Borussia Dortmund noch, weil die Schiedsrichter einen Zweikampf zwischen Lucas Hernandez und Marco Reus, in dessen Folge sogar die Bayern einen Elfmeterpfiff für richtig hielten, nicht in der Review-Area überprüften. Zwayer hatte »einen Kontakt im Oberkörperbereich« gesehen, »da darf Kontakt stattfinden«, sagte er. Also entschied er sich im Kontext seiner großzügigen Spielleitung gegen einen Pfiff. Dass Hernandez Reus mit Arm und Hand gestoßen und überdies noch ein deutlicher Kontakt am Bein stattgefunden hatte, übersahen sowohl Zwayer als auch sein Assistent in Köln. »Das ist hart«, sagte Reus, als er die Bilder sah. Nagelsmann erklärte: »Es gab schon Schiedsrichter, die das gegeben hatten.«

Klar ist, dass dieses Fußballspiel noch viel schöner gewesen wäre, wenn die Schiedsrichter an dem vor der Saison gefassten Vorsatz festgehalten hätten, Eingriffe des Videoschiedsrichters nur dann vorzunehmen, wenn die Sache so eindeutig ist, dass später niemand kontrovers diskutieren muss. Und am Abend ging dann auch noch eine Aussage von Jude Bellingham viral, die ernsthafte Schäden am weltweiten Image der ganzen Liga hinterlassen könnte. Beim schwedischen Streamingdienst »Viaplay« sagte der Engländer: »Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest Du?« Am Sonntagmorgen war das Video mit der Aussage fast zwei Millionen Mal abgerufen worden. Bellingham spielte damit auf den Hoyzer-Skandal aus dem Jahr 2004 an, als Zwayer zwar keine Spielmanipulation nachgewiesen wurde, er aber vor einer Partie zwischen Wuppertal und Bremen II 300 Euro angenommen hatte, um als Linienrichter »kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden«. So lautet die Formulierung in einem Urteil des DFB-Sportgerichts. Jetzt ermittelt der Verband gegen Bellingham.

Ohnehin gehört Felix Zwayer schon lange zu jenen Schiedsrichtern, die weniger beliebt sind bei den Spielern, deren Kommunikation auf dem Platz als schwierig gilt. Dass die Bundesliga jetzt nicht nur sportlich schwächer und in der Meisterfrage langweiliger erscheint als andere Wettbewerbe, sondern auch noch unseriöser, ist ein PR-Desaster, das wohl mittelfristig viel stärker wirken wird, als der atemberaubende Sport, den die beiden besten Teams des Landes zumindest eine Stunde lang geboten hatten.

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