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Krankenhaus reagiert auf Protest

Klinikum Bremen Mitte nimmt Suspendierung von kritischer Betriebsrätin zurück

  • Von Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Banner hängt an einem Zaun vor dem Klinikum Bremen Mitte.
Ein Banner hängt an einem Zaun vor dem Klinikum Bremen Mitte.

»Ja, wir sind auch weiter unbequem! Ja, wir setzen uns ein für eine konsequente Interessenvertretung.« Mit diesem Bekenntnis verabschiedet sich »Uns reicht's« ins neue Jahr. Die Aktivist*innen der unabhängigen Betriebsgruppe am Klinikum Bremen Mitte (KBM) haben allerdings wenig Zeit für eine längere Verschnaufpause. Bereits am März 2022 finden dort die Betriebsratswahlen statt. Die auch von Verdi-Gewerkschafter*innen unterstützte Liste erhofft sich dabei größere Stimmengewinne. Schließlich hat sie sich nicht erst in der Corona-Pandemie für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten eingesetzt. Mitte Dezember wurde die Krankenschwester Ariane Müller, eine Sprecherin von »Uns reicht's«, bei vollen Bezügen beurlaubt. Ihr wurde vorgeworfen, unberechtigt Teile ihrer Betriebsratstätigkeit als Arbeitszeit abgerechnet zu haben.

Im Gespräch mit »nd« widersprach Müller diesem Vorwurf vehement. »Als Betriebsrätin und Vertrauensperson wurde ich öfter auf ausdrücklichen Wunsch der Kolleg*innen zu Gesprächen hinzugezogen, damit sie nicht allein den Vorgesetzten gegenübersitzen müssen.« Müller ist im KBM seit vielen Jahren als engagierte Gewerkschafterin bekannt.
Seit 2005 ist sie bei »Uns reicht's« aktiv und engagierte sich dort besonders gegen die Privatisierung und Stellenabbau. Die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte standen dabei schon lange vor der Corona-Pandemie im Mittelpunkt von Müllers gewerkschaftlichen Aktivitäten. Schließlich bekommt sie die Misere in ihrer langjährigen Arbeit als Krankenschwester täglich aus erster Hand mit. So habe es in den letzten Jahren allein an ihrer Station fünf Fälle von Burnout gegeben. Viele Beschäftigte im Caresektor, wie der Pflege- und Gesundheitsbereich auch genannt wird, haben resigniert und den Arbeitsplatz gewechselt. Das macht auch die gewerkschaftliche Organisierung nicht leicht.

Doch mittlerweile regt sich bundesweit Widerstand gegen die schlechten Arbeitsbedingungen im Caresektor, wie Müller erfreut feststellen konnte. Die Corona-Pandemie hat schließlich deutlich gemacht, wie wichtig diese Tätigkeiten sind. Gemeinsam mit Beschäftigten aus anderen Krankenhäusern hat Müller bereits im Jahr 2017 das Pflegebündnis Bremen gegründet. Vorbild waren das Hamburger Pflegebündnis und die Berliner Krankenhausbewegung, die im Sommer 2021 mit mehrwöchigen Streiks bessere Arbeitsbedingungen erkämpft haben.

Müller betonte, dass es ihr immer wichtig gewesen sei, auch Mitarbeiter*innen zu erreichen, die nicht in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisiert sind. Schließlich liege der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Carebereich bei unter 15 Prozent. Die zentrale Forderung des Bremer Pflegebündnis lautet, mehr Personal einzustellen. Dabei hat das Bündnis sehr konkrete Reformvorschläge. Auf einer Intensivstation soll demnach eine Pflegekraft maximal zwei Patient*innen betreuen. In der Realität ist eine Pflegekraft oft für drei Patient*innen zuständig. Zudem sollen nach dem Willen der engagierten Carearbeiter*innen im Nachtdienst mindestens zwei Pflegekräfte anwesend sein. Heute muss oft eine Pflegekraft den Dienst übernehmen. »Wir haben die Macht, für diese Forderungen auch in den Streik zu treten, wenn wir solidarisch sind«, erklärte Müller selbstbewusst. Dieser Solidarität verdankt sie auch, dass die Klinikleitung ihre Beurlaubung nach wenigen Tagen ohne Begründung wieder aufgehoben hat. Nachdem ihre Sanktionierung bekannt wurde, bekam Müller nicht nur Unterstützung von Verdi und von Beschäftigten verschiedener Bremer Klinken. Auch Patient*innen, die sie betreut hatte, setzten sich für sie ein.

Stefanie Beckröge, die beim Bremer Klinikverbund für die Kommunikation zuständig ist, erklärte, dass man zu internen Personalangelegenheiten keine Stellung nehme.

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