Wakeford wacht auf

Der Tory-Abgeordnete Christian Wakeford läuft zu Labour über

  • Ian King, London
  • Lesedauer: 2 Min.

Der 37-jährige Christian Wakeford gehörte bis Mittwoch dieser Woche zu den eher kleinen Lichtern der konservativen Unterhausfraktion. Während andere zündende Reden hielten oder sich gegen Premier Boris Johnson verschworen, kämpfte Wakeford nach eigener Aussage mit seinem Gewissen. Denn dieses habe ständig behauptet, die konservative Regierung mache nichts für Wakefords Wähler im Wahlkreis Bury Süd bei Manchester, die ihn 2019 mit der hauchdünnen Mehrheit von 402 Stimmen ins Parlament geschickt hatten.

»Levelling up«, ein von Johnson versprochener Prozess, wodurch der Lebensstandard in Nord- und Mittelengland dem Wohlstand von London und Umgebung durch Regierungshandeln gleich gemacht werden sollte, war nach Wakeford nur Slogan geblieben, in dieser entscheidenden Frage würde die Labour-Opposition die erfolgversprechendere Politik vertreten. Wakeford zog daraus nun Konsequenzen und trat im Unterhaus zu Labour über. »Sie und die Konservative Partei als Ganzes haben sich als unfähig erwiesen, die Führung und die Regierung anzubieten, die dieses Land verdient«, schrieb Wakeford an Johnson. Labour-Chef Keir Starmer hieß ihn in seinen Reihen willkommen. Während der parlamentarischen Fragestunde setzte er sich direkt hinter Labour-Chef Keir Starmer – eine bewusste Provokation gegen die ehemaligen Tory-Kolleginnen und -Kollegen.

Sicher spielte bei der Entscheidung zum Übertritt auch Wakefords nicht offen eingestandene Angst eine Rolle, den Wahlkreis bei der nächsten Parlamentswahl zu verlieren, denn Labour führt in den neuesten Meinungsumfragen mit zweistelligem Vorsprung. Mit knapp vierzig Jahren wollte der ehemalige Tory-Vertreter im Lancashire-Regionalrat nicht gleich wieder zum Arbeitsamt.

Alte Tory-Kollegen schäumten wegen des Übertritts. Andrew Percy gab trotzig zu bedenken, dieser Verrat würde die konservative Fraktion in Treue fest zu Johnson zusammenschweißen. Wakefords Schritt deutet aber auf das Gegenteil: Johnson verliert weiter an Rückhalt bei den Tories.

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