Zu wenig Wasser wegen zu viel Kohle

Grüne Liga zerstreut wasserwirtschaftliche Bedenken gegen einen vorgezogenen Kohleausstieg

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Wasserdampf steigt auf den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Im Vordergrund das Restloch des Tagebaus Cottbus-Nord, der geflutet wird.
Wasserdampf steigt auf den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Im Vordergrund das Restloch des Tagebaus Cottbus-Nord, der geflutet wird.

Wenn irgendwie möglich, soll der Kohleausstieg von 2038 auf 2030 vorgezogen werden. Ein gewichtiges Argument dagegen: Die Spree speist sich zu einem beträchtlichen Teil aus Grundwasser, das in der Lausitz abgepumpt wird, um in den Tagebauen an die Braunkohle zu gelangen. Auf den Verlust dieses Zustroms muss die Wasserwirtschaft schnell regieren. Sonst würden die Kähne im Spreewald auf dem Trockenen sitzen, und Berlin bekäme große Probleme bei der Versorgung seiner 3,8 Millionen Einwohner mit Trinkwasser.

»Wir haben wenig Zeit, und wenn wir uns den Braunkohleausstieg 2030 ins Haus holen, haben wir noch weniger Zeit«, warnte im vergangenen Jahr Thomas Koch den Politiker Christian Görke (Linke). Doch Koch leitet das Ingenieurbüro der GMB, einer Tochterfirma der Lausitzer Energie AG (Leag), der die Tagebaue und Kraftwerke in der Lausitz gehören.

Wie nötig hat die Spree den Bergbau? Welche Maßnahmen sind sinnvoll? Wer bezahlt sie? Auf diese Fragen antwortet jetzt René Schuster von der Grünen Liga. Er fasste Stellungnahmen seiner Umweltorganisation auf 28 Seiten einer Broschüre mit dem Titel »Kohle, Wasser, Geld« so zusammen, dass sie für den Laien verständlich werden. Fakt ist, dass durch den Kohleausstieg Probleme für den Wasserhaushalt entstehen, die es ohne den Abbau der Braunkohle nicht gegeben hätte. Diese Probleme werden laut Schuster nur größer, je länger der Kohleausstieg hinausgezögert wird. Denn dann entstünden etwa noch größere Tagebaurestlöcher, die zu fluten sind, und Seen, die der Verdunstung ausgesetzt sind. Wasser, das der Spree fehle.

Das von der Leag in den Fluss gepumpte Grundwasser sei aus der Natur nur geborgt und werde der Lausitz nicht vollständig zurückgegeben. In den Kühltürmen der Kraftwerke verdampfe etwa ein Viertel davon - 78,5 Millionen Kubikmeter seien es im Jahr 2019 gewesen. Eine 500 Millionen Euro teure Rohrleitung, die Wasser aus der Elbe heranleiten soll, sei schon 2009 erwogen worden, als noch davon ausgegangen wurde, bis 2070 oder länger Braunkohle zu fördern. Mit einem vorgezogenen Kohleausstieg habe das also nichts zu tun. Bis das Grundwasser wieder ansteigt und das Restloch geflutet ist, dauert es nach der Stilllegung eines Tagebaus 10 bis 50 Jahre, rechnet Schuster vor. Bis die Belastung durch Eisen und Sulfat verschwindet, 100 bis 150 Jahre. Mit einem vorgezogenen Kohleausstieg kommen die Schwierigkeiten nur früher.

Der erhöhte Wasserverbrauch durch Verdunstung ist übrigens eine Ewigkeitslast. Das hört nie auf. Begrenzen lässt sich die Verdunstung, indem Tagebauseen tiefer und kleiner gestaltet werden. Dazu muss aber viel Erde bewegt werden. Das kostet - und darum werde behauptet, es funktioniere nicht, vermutet Schuster. So wird gesagt, man benötige die Tagebauseen als Wasserspeicher für trockene Sommer, und aus tiefen Seen könnte das Wasser bei Bedarf schlecht abgeleitet werden. »Tagebaufolgen müssen konsequent verursachergerecht getragen werden«, fordert Schuster. »Bevor nach weiteren Steuermilliarden gerufen wird, müssen auch zusätzliche Auflagen für die Leag geprüft werden, die zurzeit mit der Kohleförderung wieder gut verdient.« Bis sich der Wasserhaushalt einpegelt, sollte gepumpt werden, ohne Kohle zu fördern.

»Es ist unbestritten, dass der Kohleausstieg eine große Herausforderung für den Wasserhaushalt in der Lausitz ist«, sagt die Landtagsabgeordnete Isabell Hiekel (Grüne). »Aber jedes Verzögern des Kohleausstiegs vergrößert das Grundwasserdefizit.«

Broschüre unter: www.kein-tagebau.de

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