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  • Viertelfinale im DFB-Pokal

Union Berlin sucht den Führungsspieler

Die Köpenicker empfangen nach einem befreienden Bundesligasieg den FC St. Pauli im DFB-Pokal

  • Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

Urs Fischer bemühte am Montag eine alte Fußballweisheit. »Das nächste Spiel ist immer das schwerste«, sagte der Trainer des 1. FC Union. Die Berliner eröffnen an diesem Dienstagabend das Viertelfinale im DFB-Pokal – und empfangen in der Alten Försterei den FC St. Pauli. Eine andere Gesetzmäßigkeit interessiert Fischer hingegen überhaupt nicht. Der Pokal ist bekanntlich der kürzeste Weg zu einem Titel. Die Frage, ob er dieses Ziel im Kopf habe, verneinte er entschlossen. Zu seiner Begründung führte er zuerst die Spielordnung des Deutschen Fußball-Bundes an: »Es ist ein Viertelfinale, danach kommt ein Halbfinale.« Dann wies er, nochmals im Sinne der berühmten Worte von Sepp Herberger, auf den kommenden Gegner aus Hamburg hin: »Das wird ein ganz schweres Spiel.«

Die Chancen auf einen Pokalsieg haben sich durch das Ausscheiden vieler großer Favoriten sicherlich erhöht. Ebenso die Tatsache, dass vier der acht Teams im Viertelfinale aus der zweiten Bundesliga kommen. Zur Vorsicht mahnt in diesem Fall jedoch eine ungeschriebene Regel: Den ganz eigenen Gesetzen des Pokals mussten sich in dieser Spielzeit schließlich schon der FC Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen beugen. Auch darauf verwies Fischer noch einmal. Denn es waren die Zweitligafußballer von St. Pauli, die Dortmunds Champions-League-Team aus dem Wettbewerb befördert hatten. »Und das nicht unverdient«, betonte Fischer.

Optimistisch können die Berliner die Partie dennoch angehen. Nach zuvor drei Niederlagen ohne einen eigenen Treffer feierte Union am Sonnabend einen 3:1-Erfolg gegen Mainz 05. Wie befreiend drei Tore und Punkte manchmal sein können, war den Worten eines entscheidenden Protagonisten des Spiels zu entnehmen. »Die letzten Wochen waren sehr hart für uns«, erklärte Sheraldo Becker erleichtert nach dem Abpfiff. Der 27-jährige Offensivspieler hatte mit einem Traumschuss in den Winkel des Mainzer Tores das 2:0 selbst erzielt und das vorentscheidende 3:0 vorbereitet.

Die große Bedeutung dieses Erfolgserlebnisses betonte Urs Fischer auch am Montag noch mal: »Es war für alle wichtig, dieses Spiel zu gewinnen.« Gleichzeitig relativierte Unions Trainer den ergebnisorientierten Rückblick in den Februar. Es sei vorher nicht alles schlecht gewesen. Und nach einem Sieg sei jetzt nicht alles gut. Einige wertvolle Hinweise gab die Partie gegen Mainz aber schon. Die neue, zuvor vermisste Entschlossenheit in den Offensivaktionen macht ebenso Mut wie die wiedergefundene Stabilität in der Defensive.

Eine Lücke scheint noch nicht geschlossen. Nach dem Abgang von Marvin Friedrich und Max Kruse im Winter, die Fischer als »Führungsspieler« bezeichnet hatte, fehlt ein solcher in manchen Momenten. Am Sonnabend übernahmen die Berliner von Beginn an die Initiative im Spiel gegen Mainz, der frühe Führungstreffer durch Genki Haraguchi nach sieben Minuten fiel fast folgerichtig, zumindest verdient. Danach aber, angefangen mit einer minutenlangen Diskussion um das Tor samt Gelber Karte für den Mainzer Trainer Bo Svensson, ließ sich Union von der Unruhe des Gegners anstecken, verlor die Klarheit im eigenen und die Kontrolle über das Spiel. Und es war kein Berliner zu sehen, der versucht hätte oder letztlich in der Lage war, die Situation zu lösen. Dies gelang erst mannschaftlich wieder mit Beginn der zweiten Halbzeit.

Vielleicht braucht es für eine Neuordnung im Mannschaftsgefüge auch noch etwas Zeit – vor allem auf dem Platz. Nicht jeder Fußballer ist dafür geeignet, ein Kandidat für die vakante Führungsrolle aber wäre Rani Khedira. Strategisch erfüllt er die Aufgaben in der Mittelfeldzentrale schon länger überzeugend. Im Sommer nach Berlin gekommen, konnte er nach einer kurzen Eingewöhnungszeit den Abgang des bis dahin dominantesten Spielers, Robert Andrich, auffangen. Gegen Mainz war der 28-Jährige die sichere Verbindung zwischen Abwehr und Angriff, in der Defensive ließ er mit seinem guten Blick für Ball, Raum und Gegner kaum Lücken im Zentrum zu. Mit etwas mehr Mut und Lautstärke könnte Khedira je nach Situation auch den Spielrhythmus bestimmen.

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