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Union für Fortgeschrittene

Der Verein wächst, die Fußballer wollen nach dem europäischen Aus mehr und der Präsident findet große Worte der Kritik

  • Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

Schwarzer Anzug, rotes Einstecktuch - so saß Grischa Prömel am späten Donnerstagabend in den Katakomben des Berliner Olympiastadions. Als der Mittelfeldspieler des 1. FC Union dann erklärte, wie enttäuscht er darüber sei, dass die europäische Reise jetzt zu Ende ist, wirkte das feierliche Outfit für die Conference League eher wie Trauerkleidung. Ein 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen Slavia Prag hatte nicht gereicht, um im Europapokal zu überwintern. Als Dritter hinter Feyenoord Rotterdam und dem Gegner aus der tschechischen Hauptstadt sind die Berliner erster Verlierer in der Vierergruppe.

Schnell wurde wieder gelacht - und damit auch deutlich, dass die Köpenicker mit guten Gefühlen Abschied von der großen Fußballbühne nehmen. »Spielen macht einfach mehr Spaß als Training«, sagte Prömel. Sein Coach Urs Fischer nahm ihm das alles andere als übel. Der Schweizer sprach von einer »tollen Erfahrung für die Jungs« und zog nach den insgesamt acht internationalen Pflichtspielen des 1. FC Union in dieser Saison ein positives Fazit. »Wir haben es ganz gut gemacht, auch wenn es sich heute schlecht anfühlt.« Für letzteres waren die Berliner an diesem Abend auch selbst verantwortlich. Zwar hatte Ivan Schranz die Gäste aus Prag nach 50 Minuten mit einem Schuss in den Torwinkel in Führung gebracht. Aber diese und die wenigen anderen Chancen von Slavia wurden nur durch selten schwere Fehler in Unions Defensive ermöglicht. Andererseits prallte die Berliner Offensive immer wieder an der robusten Prager Abwehr ab. So blieb es beim Ausgleichstreffer von Max Kruse in der 64. Minute.

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Nur ein Tor fehlte Union in diesem Endspiel um Gruppenplatz zwei. Zu Fischers schlechtem Gefühl an diesem Abend passte auch der Rahmen: nur 5000 Zuschauer im großen, eiskalten Rund des Olympiastadions. Viel zu wenig für einen stetig wachsenden Verein. In der Vorwoche wurde auf der Mitgliederversammlung der Sprung über einen weiteren Meilenstein verkündet: Der 1. FC Union hat nun mehr als 40.000 Mitglieder. Und: »Der Kader, die Rechte und die stillen Reserven des Vereins sind aktuell so wertvoll wie nie zuvor«, erklärte Dirk Zingler. Dem Vereinspräsidenten war die zugelassene Zuschaueranzahl ebenfalls viel zu gering. Meinungsstark hatte er das auch schon am Tag der Mitgliederversammlung kritisiert. Für Zingler steckt Deutschland gerade »im Vollchaos«, er vermisst eine »klare Führung« durch die Politik in der Pandemie. Ministerpräsidenten, die wieder Geisterspiele fordern, bezeichnet er beispielsweise als »Clown aus München«. So sehr und oft der 1. FC Union seine soziale Bedeutung und Verantwortung betont, so kontrovers wird über sein Handeln in der gesamtgesellschaftlichen Krise diskutiert.

Urs Fischer hielt sich wie immer zurück. Er sieht das europäische Kräftemessen als wertvollen »Lernprozess« und freut sich ob der nun ausbleibenden Mehrfachbelastung wieder auf mehr Trainingseinheiten. Und er stellte klar: »Die Zielsetzung bleibt - Klassenerhalt.« Den »Spaß, jeden dritten Tag spielen zu können«, hat Fischer aber schon registriert in seinem Team. Und das will mehr davon. »Das ist dein Ziel als Fußballer«, sagte Robin Knoche und meinte die Champions League. Da ein Wechsel des 29-jährigen Innenverteidigers zu einem Klub mit dauerhaften Ambitionen auf die Königsklasse unwahrscheinlich ist, bezog er das wohl auf den 1. FC Union. Aktuell sind die Berliner in der Bundesliga Sechster, mit Siegen in den drei letzten Spielen des Jahres in Fürth, gegen Freiburg und in Bochum könnten sie sich in der Spitzengruppe festspielen.

Solche Gedanken treiben sicher auch Zingler um. Der Präsident versprach, »in den nächsten Jahren weitere, deutliche Investitionsschritte vornehmen« zu wollen. Messen sich die Köpenicker also bald mit Monstern? Als solche hatte Zingler im Frühjahr Klubs wie Real Madrid bezeichnet, die eine eigene, milliardenschwere Super League gründen wollten. »Die Monster müssen sterben«, forderte er. Sie leben noch - und könnten in der Champions League zu Gegnern werden. Union für Fortgeschrittene: So klingt vielleicht für alteingesessene Fans die Entwicklung ihres Vereins.

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