Kampfansage an Gorillas

Der umstrittene Lieferdienst will einen seiner Standorte in Berlin schließen. Der Betriebsrat sieht sich bedroht

  • Von Patrick Volknant
  • Lesedauer: 3 Min.
Gorillas Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen sich nicht ohne Weiteres abservieren lassen.
Gorillas Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen sich nicht ohne Weiteres abservieren lassen.

Auf der kurzfristig am Donnerstag einberufenen Pressekonferenz des Betriebsrats steht den Kurieren die Sorge ins Gesicht geschrieben. Bis zum kommenden Monat will der Lieferdienst Gorillas seinen Standort Alexanderplatz schließen. Allen der 58 Angestellten droht nun die Entlassung und eine ungewisse Zukunft. Manche von ihnen fürchten gar um ihren Aufenthaltsstatus.

»Wir dachten eigentlich, wir wären ein Team«, sagt ein Mitarbeiter. Für das Start-up habe man sich »die Ärsche aufgerissen«, nur um jetzt mit leeren Händen dazustehen. »Wir wollen einfach nur, dass das Unternehmen Verantwortung übernimmt.« Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien auf das Einkommen angewiesen, um ihr Studium zu finanzieren oder ihre Familien finanziell zu unterstützen.

Gorillas selbst sieht sich zu den Kündigungen gezwungen. Wie das Unternehmen gegenüber »nd« erklärt, sei ein Antrag auf Nutzungsänderung für das betroffene Warenhaus abgewiesen worden. Da der Standort »aufgrund von Denkmalschutzauflagen und Nutzungseinschränkungen« nicht weiter genutzt werden könne, müsse er nun geschlossen werden. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Standorts führe man derzeit Gespräche, um »alternative Lösungen« zu finden. »Wir werden alles uns Mögliche tun, um möglichst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in anderen Warehouses wieder einzustellen.«

Kurz zuvor hatte sich Gorillas noch überrascht von der Initiative seiner Angestellten gezeigt. Dem Unternehmen war eigenen Angaben zufolge nicht bekannt gewesen, dass sich der Betriebsrat an die Öffentlichkeit wenden würde. Letzterer wiederum scheint den beschwichtigenden Tönen vom Gorillas-Management keinen Glauben zu schenken. »Obwohl das Unternehmen schon seit Oktober Bescheid wusste, wurden wir erst letzte Woche informiert«, kritisiert eine Beschäftigtenvertreterin und fragt sich: »Warum?« Als im November ein Standort in Kreuzberg geschlossen wurde, seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf andere Warenhäuser verteilt worden. »Wir wundern uns, warum das nicht auch der Fall für den Standort Alex sein soll.« Plätze, so die Sprecherin, seien genügend vorhanden.

Der Betriebsrat vermutet, dass das Unternehmen mit seinen Kündigungen die Interessenvertretung absichtlich schwächen möchte. Denn zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Alexanderplatz zählen auch drei Mitglieder des Betriebsrats.

Der Anwalt der Kuriere, Martin Bechert, schlägt in dieselbe Kerbe: »Bei Gorillas wird die Mitbestimmung mit Füßen getreten«, sagt er. Es sei offensichtlich, dass das Unternehmen es schlichtweg darauf abgesehen habe, die drei Betriebsräte loszuwerden. Das Vorgehen von Gorillas bezeichnet er als »exemplarisches Union-Busting« und fordert Strafen für das Unternehmen. Die Arbeitsbedingungen für die Kuriere seien katastrophal. Kommunikation mit dem Unternehmen finde so gut wie keine statt. »Wir reden immer wieder mit einer Wand«, sagt Bechert. Einen Umgang wie bei Gorillas habe er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt.

Ende des vergangenen Jahres hatte Gorillas versucht, die Gründung des Betriebsrats vor Gericht zu stoppen. Wie das Start-up anprangerte, habe der Wahlvorstand Angestellte zur Wahl aufgerufen, für die er aufgrund von Umstrukturierungen im Unternehmen nicht zuständig sei. Die besagten Änderungen hatte Gorillas kurz vor der Wahl selbst eingeleitet. Das zuständige Arbeitsgericht entschied zuletzt, dass die möglichen Fehler beim Wahlverfahren nicht für einen Abbruch der Wahl ausreichen.

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