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  • FC Bayern gegen Villarreal

Mit Tempo ins Halbfinale der Champions League

Bayern München setzt gegen Villarreal auf Schlüsselspieler Alphonso Davies

  • Von Elisabeth Schlammerl, München
  • Lesedauer: 4 Min.
Alphonso Davies (r.) soll Villarreals Offensive um Gerard Moreno stoppen und den FC Bayern mit Tempo nach vorn bringen.
Alphonso Davies (r.) soll Villarreals Offensive um Gerard Moreno stoppen und den FC Bayern mit Tempo nach vorn bringen.

Alphonso Davies steht in der Pflicht - beim FC Bayern München selbstverständlich, seinem Arbeitgeber. Aber auch bei seiner Mama daheim in Kanada. Die hatte ihm einst das Versprechen abgerungen, immer ein guter Junge und vor allem im Leben mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben. Das war vor rund sechs Jahren, als Davies sein Elternhaus verließ, um im Alter von 15 Jahren in Vancouver seine Fußballkarriere zu starten. Es ist nicht verbrieft, was die Mama jetzt bei den regelmäßigen Telefonaten mit dem Sohn vereinbart, aber sie dürfte ganz zufrieden sein mit ihrem Jungen, vermutlich ist sie sogar ziemlich stolz auf ihn.

Der gebürtige Ghanaer mit kanadischem Pass hat es weit gebracht - sogar zum Schlüsselspieler beim FC Bayern. So dürfte der mittlerweile 21-Jährige auch beim Rückspiel im Viertelfinale der Champions League an diesem Dienstag gegen den FC Villarreal eine wichtige Rolle spielen. Und das trotz einer gerade überstandenen Herzmuskelentzündung samt viermonatiger Pause.

»Geschwindigkeit«, sagt Trainer Julian Nagelsmann, »kann entscheidend sein.« Vor allem nach vorne, wo es insbesondere im ersten Vergleich beim Tabellensiebten der Primera Division im Spiel der Münchner ziemlich haperte. Aber auch nach hinten, weil Davies mit seinem enormen Tempo schon mal einen entwischten Stürmer noch stellen kann.

Die fehlende Spielpraxis war dem linken Verteidiger im Hinspiel vor einer Woche zwar noch anzumerken, aber nun hat er nicht nur die 90 Minuten in Spanien hinter sich, sondern auch eine gute halbe Stunde gegen Augsburg am vergangenen Sonnabend - und da war er nicht unerheblich daran beteiligt, dass die Bayern in der Schlussphase mehr Dynamik entwickeln konnten. Es habe genervt, nicht auf dem Platz zu stehen, sagte Davies über seine Zwangspause. Aber er blieb auch in der für ihn nicht einfachen Zeit seinem Motto treu: »Das Leben ist zu kurz, um sich lange zu ärgern oder traurig zu sein.«

Schwertun mit dem Nicht-lange-Ärgern würde sich die Frohnatur sicherlich, wenn es gegen Villarreal schiefgeht. Nach der 0:1-Niederlage im ersten Duell steht nämlich nicht nur das Erreichen des Halbfinals auf dem Spiel. Es ist schon lange her, dass die Münchner einmal gegen eine Mannschaft in der Königsklasse ausschieden, die im Ranking weit hinter dem deutschen Rekordmeister lag und als krasser Außenseiter galt. Unter Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und sogar Niko Kovac sowie im vergangenen Jahr mit Hansi Flick an der Seitenlinie war stets gegen Teams Endstation, die auf Augenhöhe spielten, mindestens. Ein Scheitern wäre also eine Klatsche für den ambitionierten FC Bayern. Und für Nagelsmann würde es einen ersten Kratzer am bisher fast makellosen Bayern-Trainer-Image bedeuten.

Nun ist es nicht so, dass Nagelsmann seine Hoffnungen vor allem auf Davies setzt. »Alle müssen die nötige Haltung und Emotionalität aufbringen«, sagte der Münchner Trainer, der in der Abwehr auf den grippekranken Niklas Süle verzichten muss. »Es geht um viel - und wenn es um viel geht, kann man viel investieren.« Aber bei Davies findet Nagelsmann Spezielles: »Er gibt uns auf dieser Position etwas, das sehr, sehr wertvoll ist.«

Zum einen ist es die Schnelligkeit. Zum anderen sind die Münchner mit ihm taktisch variabler. In den vergangenen Monaten, als Davies nur zuschauen konnte, hatte Nagelsmann entweder Lucas Herandez auf die linke Seite gestellt - und damit auf zusätzliche Offensiv-Power verzichtet. Oder er ließ mit dem Mut zur Defensivlücke die Offensiven Kingsley Coman oder Leroy Sané als verkappte Außenverteidiger ran. Davies kann beides. Die Bayern hatten ihn einst für rund zehn Millionen Euro als Flügelstürmer aus Vancouver geholt. Im Herbst 2019 schickten ihn erst Kovac und anschließend Flick auf die linke Seite der defensiven Viererkette. Er war auf dieser Position damals noch eine Notlösung. Mittlerweile ist er längst die Idealbesetzung.

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