Sowjetisches Panzerdenkmal bleibt stehen

In Letschin steht der dortige T-34 nicht zur Diskussion, in Potsdam wird ein Ehrenmal beschmiert

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Das Panzerdenkmal von Kienitz
Das Panzerdenkmal von Kienitz

In Letschin (Märkisch-Oderland) steht die Entfernung eines sowjetischen Panzers, anders als in Berlin, nicht mal ansatzweise zur Debatte. »Wir werden hier keine Denkmal-stürmerei veranstalten«, sagte Letschins Bürgermeister Michael Böttcher (Freie Wähler) am Mittwoch. Jede Zeit habe ihre Geschichte, die nicht in einen Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen gestellt werden könne. In Berlin hatte die CDU-Abgeordnete Stefanie Bung angeregt, die sowjetischen Panzer am Ehrenmal im Tiergarten zu entfernen.

In Letschin wurde durchaus auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine reagiert. Am Panzerdenkmal im Ortsteil Kienitz wurde auf einem fünf Meter breiten Banner ein Friedensappell angebracht. Die Inschrift lautet: »Die Toten mahnen uns. Zukunft heißt Frieden. Überleben heißt Frieden. Europa darf nie wieder durch Kriegshände brennen.«

Am 31. Januar 1945 errichteten sowjetische Truppen in Kienitz einen Brückenkopf am Westufer der Oder. Es war der erste Ort auf dem Gebiet der späteren DDR, der vom Faschismus befreit wurde. Daran erinnert das Denkmal mit einem Panzer des Typs T-34, der 1970 aus Beständen der Nationalen Volksarmee zur Verfügung gestellt wurde. Vor dem anstehenden 70. Jahrestag der Befreiung im Jahr 2015 wurde der Sockel des Denkmals saniert. Damals wurde in der Ostukraine auch schon gekämpft.

Seit Beginn des russischen Angriffs werden in Deutschland vermehrt sowjetische Ehrenmale und Ehrenfriedhöfe beschädigt. Getroffen hat es nun auch die Grabanlage für 400 Soldaten auf dem Potsdamer Bassinplatz. Dort wurde das Ehrenmal mit roter Farbe übergossen. Die Potsdamer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN-BdA bezeichnet das als »Geschichtsverfälschung« und »Angriff auf die antifaschistische Gedenkkultur«. Für die Ereignisse in der Ukraine seien »nicht die sowjetischen Soldaten verantwortlich, die ihr Leben bei der Befreiung Deutschlands vom Faschismus verloren haben«, stellt die VVN-BdA am Dienstag klar. Sie erinnert daran, dass es nicht nur Russen waren, die als sowjetische Soldaten den faschistischen Terror beendeten, sondern auch Ukrainer und andere. »Von den sowjetischen Friedhöfen und Ehrenmälern geht keine Verherrlichung von Krieg aus. Sie stehen auch nicht für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Es sind Orte, die zum Frieden mahnen sollen.« Die im Frühjahr 1945 auf dem Bassinplatz angelegten Gräber sind 1948/1949 zu einem Friedhof mit Ehrenmal umgestaltet worden. 1966 und 1997/1998 wurde er restauriert. Mit dpa

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