Sicherheit ohne Bomben

Cyrus Salimi-Asl über den jüngsten Sipri-Bericht zu Militärausgaben

Die Staaten dieser Welt haben auch 2021 wieder mehr Waffen gekauft, schreibt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in seinem jüngsten Bericht. Darüber könnte man mit Ernüchterung hinweggehen, ist diese Nachricht doch keine Überraschung mehr. Seit sieben Jahren steigen die Rüstungsausgaben weltweit, das Wettrüsten hat schon begonnen. Und zu den Mitspielern gehören seit Jahren nicht nur die üblichen Verdächtigen. So ist beispielsweise der Iran auf Platz 14 der Weltrangliste aufgestiegen.

Wie irre die Zahlen sind, mit denen die Waffenkäufer hantieren, wird deutlich, wenn man sich klarmacht, wo das Geld fehlt: bei der Bekämpfung von Hunger und Klimawandel, für humanitäre Notlagen in Afghanistan und im Jemen, für die Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens nach der Corona-Pandemie etc. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, und mit 2113 Milliarden Dollar ließen sich alle diese menschengemachten Krisen und Probleme aus der Welt schaffen. Aber dafür fehlt der politische Wille.

Noch immer wirkt in den Köpfen von Verteidigungsministern (die früher Kriegsminister hießen) die Überzeugung, dass man sich nur sicherer fühlen kann mit noch mehr Waffen. Welch ein Trugschluss: Trotz massiver militärischer Übermacht ist es den Nato-Interventionstruppen in 20 Jahren nicht gelungen, Afghanistan zu kontrollieren. Auch Russlands Krieg gegen die Ukraine zeigt, dass Waffen und Militär letztlich nicht dazu geeignet sind, ein Land von einem Angriffskrieg abzuhalten. Sicherheit ist nicht mit Waffengewalt zu haben, sondern allein durch gemeinsames Austarieren von Interessen und Aushandeln von Kompromissen mit der Prämisse, dass Frieden allein Sicherheit garantieren kann. Und statt das Geld den Rüstungskonzernen zu geben, sollten wir mehr Lehrer und Pfleger einstellen.

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