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20-mal Massenmord

Die US-Atomwaffen in Deutschland gehören nicht nur abgezogen, sondern verschrottet, meint Christian Klemm

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.
Demonstration gegen die Münchener Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres
Demonstration gegen die Münchener Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres

Die Bilder von Hiroshima und Nagasaki waren eine Mahnung an die nachfolgenden Generationen – und damit auch an uns: Innerhalb von Minuten wurden im August 1945 Tausende Menschen durch US-amerikanische Atombombenabwürfe praktisch pulverisiert. Die zerstörerische Kraft dieser Wahnsinnswaffe wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte noch »verfeinert«: Heute befinden sich weltweit rund 1800 Atomwaffen in Alarmbereitschaft. Ein Knopfdruck, und irgendwo auf der Welt werden Frauen und Männer, Kinder und Alte sprichwörtlich zerrissen.

Rund 20 Atomwaffen lagern aktuell im Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel. Im Zuge der »nuklearen Teilhabe« werden auch Piloten der Bundeswehr für den Abwurf dieser Massenvernichtungswaffen ausgebildet. Dass nun eine Mehrheit der Bevölkerung laut einer Umfrage des ARD-Politikmagazins Panorama ihren Verbleib in der Bundesrepublik befürwortet, dürfte vor allem in Berlin für Erleichterung sorgen. In den Koalitionsvertrag hatten die Ampel-Parteien nämlich als Ziel »Deutschland frei von Atomwaffen« reinverhandelt. Doch schon in der Vergangenheit hatte keine Bundesregierung den Mumm, die USA dazu aufzufordern, ihre Sprengköpfe aus Deutschland abzuziehen. Auf Konfrontationskurs mit Washington muss Kanzler Olaf Scholz (SPD) nun nicht mehr gehen. Schließlich sagten 40 Prozent der Befragten, dass die Atomwaffen unverändert in Büchel stationiert bleiben sollten; 12 Prozent sprachen sich sogar für eine Modernisierung und Aufstockung aus. Im vergangenen Jahr – vor dem russischen Krieg in der Ukraine – wollte nach einer Studie der Münchener Sicherheitskonferenz noch eine Mehrheit von 57 Prozent den Abzug.

Dass vor allem 64 Prozent der Grünen-Anhänger sich für den Erhalt oder sogar die Aufstockung der US-Atombomben in Deutschland aussprechen, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Denn Friedensaktivisten aus den Grünen und ihrem Umfeld hatten Anfang der 80er Jahre maßgeblich gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen mobilgemacht. An der Atomwaffenfrage kann man eben auch die Veränderung der einstigen Ökopartei gut ablesen – und das nicht zum Guten.

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