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»Wir müssen keine Angst haben«

Volleyballer Christian Fromm geht mit neuem Trainer in die Nationenliga

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.
Christian Fromm spielt seit 2011 für die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft.
Christian Fromm spielt seit 2011 für die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft.

An diesem Dienstag startet die neue Saison in der Nationenliga. Wie wichtig ist Ihnen dieser immer noch recht frische Wettbewerb?

Für uns Spieler ist er eine Möglichkeit, gegen die Topteams der Welt anzutreten. Vier Spiele in Folge sind natürlich eine gewisse Belastung. Aber gerade wenn junge Spieler nachkommen, ist es die perfekte Möglichkeit, sich zu präsentieren, Erfahrungen zu sammeln und auch Gegnern zu zeigen, dass bei großen Turnieren mit uns zu rechnen ist. Das müssen wir wieder aufbauen, sodass wir nicht ständig als Außenseiter aufs Feld gehen. Deswegen freue ich mich auf die Nationenliga. Ich habe auch bei keinem meiner Mitspieler das Gefühl, dass er ungern mit nach Kanada geflogen ist.

Dort treffen Sie nun auf den Gastgeber, dazu auf Argentinien, Bulgarien und Serbien. Das sind noch nicht die allergrößten Namen. Hoffen Sie vielleicht sogar auf einen richtig erfolgreichen Start?

Ich denke, dass wir mit diesen Mannschaften auf jeden Fall mitspielen können. Es werden sicherlich interessante Spiele, und wir wollen definitiv gewinnen. Aber es ist zunächst am wichtigsten, dass wir auch als Team weiter zusammenfinden und uns von Spiel zu Spiel verbessern. Die Chancen, Spiele zu gewinnen, sind jetzt zum Auftakt sicherlich am größten, denke ich. Wir brauchen die Siege auch für unser Selbstvertrauen und damit wir in der Weltrangliste nach oben klettern.

Mit Ausnahme des in diesem Sommer pausierenden Georg Grozer ist der Stamm der Nationalmannschaft auch unter dem neuen Bundestrainer wieder dabei. Fühlt es sich trotzdem wie ein neues Team an?

Es sind schon doch einige neue Gesichter dabei, die jetzt in den Testspielen ihr Debüt gegeben haben oder in der Nationenliga debütieren werden. Es ist natürlich immer schön, wenn auch frisches Blut dazukommt und man einen Mix aus Erfahrung und neuen Gesichtern hat.

Können die deutschen Volleyballfans schon damit rechnen, dass ein paar von den Neuen in der Nationenliga in der Anfangsformation stehen werden, oder sind sie bisher nur als Ergänzungsspieler eingeplant?

Am Anfang werden vielleicht eher die erfahrenen Spieler aufgestellt werden. Einfach, um zu sehen, wo wir wirklich stehen gegen die anderen Nationen. Nichtsdestotrotz habe ich bei unserem neuen Bundestrainer definitiv das Gefühl, dass er auch den neuen Spielern die Chance geben wird. Er macht definitiv keine Geschenke. Aber er ist auch offen zu wechseln, wenn sich Spieler das im Training verdient haben.

Vergleichen Sie doch bitte mal den Coach Michał Winiarski mit dem alten Andrea Giani!

Ihre Spielsysteme sind nicht komplett verschieden, und doch gibt es ein, zwei Details, die Michał anders gemacht haben will, aber wir erfinden jetzt den Volleyball nicht neu. Das macht den Übergang auch ein Stück einfacher, weil wir taktisch nicht zu viele Sachen ändern müssen. Ansonsten fällt mir Michał durch seine sehr offene Kommunikation mit allen Spielern auf. Das könnte etwas frischen Wind reinbringen. Einige Spieler haben sicherlich schon jetzt das Gefühl, dass sie mehr mit dem Trainer reden können. Ich weiß nicht, ob es wirklich an der Person liegt oder einfach an der Sprache. Jetzt wird immer auf Englisch kommuniziert. Das macht die Sache ein bisschen einfacher für Spieler, die nicht fließend Italienisch reden. Man merkt alles in allem: Da sind frische Ansätze und mehr Kommunikation da. Das muss auch so sein, damit wir verstehen, was der neue Trainer möchte und was er auch von jedem einzelnen erwartet.

Vital Heynen galt immer als defensiverer Trainertyp, was das Eingehen von Risiken angeht. Sein Nachfolger Giani als sehr offensiv. Wo ordnen Sie auf dieser Skala Winiarski ein?

Von der Tendenz her eher Richtung Giani. Diese Spielweise kommt mir zugute. Wir hatten in den Testspielen aber auch Momente, in denen wir zu viel Risiko eingegangen sind und er uns sagte: »Jungs, versucht das doch noch cleverer zu lösen oder die Geduld zu behalten.« Er ist aber dem Risiko nicht abgeneigt, weil das seiner Meinung nach auch belohnt wird.

Drei Wochen des ersten Trainingslehrgangs in Kienbaum liegen hinter Ihnen. Eine gute Volleyballmannschaft braucht aber Monate, um sich einzuspielen. Würden Sie sagen: Es knirscht noch mehr oder es flutscht schon besser, als man es nach drei Wochen hätte erwarten können?

Wir machen definitiv mehr richtig als falsch. Wenn viele neue und junge Spieler dazukommen, muss sich natürlich noch vieles finden. Gewisse Dinge brauchen Zeit. Das betrifft nicht nur taktische Ansichten und Vorgaben, sondern auch Abläufe im Training oder an Spieltagen und bei der Rehabilitation. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das haben wir in den Testspielen gegen Italien in Luxemburg sehen können. Da haben wir in den ersten beiden Sätzen des zweiten Spiels lange sehr gut gespielt und uns das nötige Selbstvertrauen geholt. Wir gehen jetzt in der Nationenliga vielleicht nicht in jedes Spiel als Favorit, aber wir müssen auch keine Angst haben. Von daher bin ich mit gesundem Optimismus unterwegs.

Der deutsche Starspieler Georg Grozer wird im Herbst auch nicht bei der WM dabei sein, will dann aber für die Olympiaqualifikation nächstes Jahr wieder angreifen. Was treibt Sie an? Eher das nahe Ziel WM oder die Spiele 2024 in Paris?

Da ich es 2012 knapp nicht in den Kader geschafft habe, ist Olympia weiterhin mein großes Ziel. Toi, toi, toi, der Körper macht auch noch einigermaßen mit. Von daher bleibt Paris definitiv vor meinen Augen. Aber speziell nach dem Trainerwechsel möchte ich auch schon in diesem Sommer, dass wir die Turniere bestmöglich bestreiten. Ich habe nicht vor, irgendeins davon auszulassen, und will bis 2024 voll durchziehen.

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