Tierisch daneben

Daniel Lücking über eine historisch belastete Militärmarotte

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 1 Min.
Was geduldetes Brauchtum und nicht erlassgemäße Traditionspflege ist, handhabt die Bundeswehr fließend.
Was geduldetes Brauchtum und nicht erlassgemäße Traditionspflege ist, handhabt die Bundeswehr fließend.

Mit dem »Panther« bietet die Rüstungsfirma Rheinmetall einen neuen Kampfpanzer zum Kauf an. Dass das Tötungsgerät einen bereits in der Wehrmacht verwendeten Namen erhält, scheint weder für die Firma noch für das Militär ein Problem zu sein. Tiernamen für Gefechtsfahrzeuge und Schiffe zu verwenden, gilt eher als »Brauch« denn als eine zwingend regelungsbedürftige Tradition. So zumindest argumentiert das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.

Da diese Ausrede seit Jahren etabliert ist, lehnte man sich auch 2018 beim neuen Traditionserlass zurück und beließ andere Namen aus Wehrmachtszeiten, wie sie sind. Und eben weil diese Bereiche ungeregelt bleiben, haben bei der Bundeswehr nicht nur strammrechte »Tierfreunde«, die all zu oft an den Uropa denken und seine als Leistung glorifizierten Taten ausblenden, eine Ausrede. Wer mit Tieren nicht kann, darf gern als »Florafreund« bedenkenlos Palmen verwenden, die all zu sehr an die Palme des rommelschen Afrikakorps erinnern. Ein Verteidigungsministerium, das dort nicht eingreift, macht der Truppe die Etablierung rechtsradikaler Codes all zu einfach.

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