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Der kommende Winter wird besonders hart

Kältehilfe-Gipfel soll Austausch zur Unterstützung von Obdachlosen verbessern

Passanten gehen bei eisigen Temperaturen durch einen Tunnel beim Berliner Dom, wo Obdachlose ihr Quartier aufgeschlagen haben.
Passanten gehen bei eisigen Temperaturen durch einen Tunnel beim Berliner Dom, wo Obdachlose ihr Quartier aufgeschlagen haben.

»Von einem guten Auftakt« sprach Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) im Nachgang des ersten Kältehilfegipfels in Berlin. Auf die Initiative Kippings hatten sich am vergangenen Donnerstag Vertreter der Sozialverwaltung, der Bezirke, von Caritas, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Deutschem Roten Kreuz und Diakonie über die Herausforderungen bei der Hilfe für Obdachlose und Wohnungslose ausgetauscht. Man habe gemerkt, »wie sehr alle Beteiligten hier an einer gemeinsamen Lösung interessiert sind«, erklärte Kipping. Es scheine angesichts der Temperaturen nicht naheliegend über den Winter zu sprechen, »aber nach den Sommerferien ist es nicht mehr weit weg«, so die Senatorin. Überdies müsse auch immer wieder daran erinnert werden, dass die Not obdachloser Menschen sich nicht auf den Winter beschränke. Auch Hitze brächte eine extreme Gefährdung mit sich. Kipping verwies vor diesem Hintergrund auf eine 30-köpfige »Hitzehilfe«-Taskforce der Organisation Karuna, die Menschen auf der Straße an heißen Tagen mit Wasser versorge.

»Die Rahmenbedingungen werden es uns nicht leicht machen«, erklärte die Linke-Politikerin im Hinblick auf den kommenden Winter. »Es beginnt bei steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen und geht weiter über Corona-Infektionswellen, auf die wir uns zubewegen und für die wir faktisch keine Schutzmaßnahmen haben«, so Kipping.

Auch Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbands für das Erzbistum Berlin, wies darauf hin, dass im nächsten Winter vieles zusammenkommen könne. Denn neben Wohnungs- und Obdachlosigkeit, steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen und Pandemie sei darüber hinaus unklar, was mit Geflüchteten im Winter passiere, die bis dato noch in privaten Unterkünften untergebracht seien. »Wir werden Menschen haben, die durch die Systeme irren.« Es sei wichtig, sich frühzeitig Gedanken zu machen, welche Bettenkapazitäten vorhanden seien und wie man mit den Herausforderungen umzugehen gedenke, so Kostka. Wärmestuben und Wärmecafés werden eine große Rolle spielen: »Es kann sein, dass Menschen Hunger haben und sich die Wärme zuhause nicht leisten können.« Schon jetzt kämen viele Menschen, die nicht obdachlos sind.

»Wir sehen es sehr kritisch, dass die Bezirke sehr unterschiedlich mit EU-Bürgern umgehen. Da werden Menschen, die rechtlich ein Anrecht hätten auf Unterbringung, in die Kältehilfe abgeschoben«, erklärte die Caritas-Vertreterin weiter und forderte in dieser Hinsicht ein eindeutiges politisches Vorgehen. Auch insofern sei der Gipfel ein guter Auftakt gewesen, um »in die Zukunft zu schauen« – zumal erstmals Akteure der Leitungsebene zusammen gekommen seien, während die Vernetzung auf der Ebene der praktischen Arbeit teilweise bereits sehr gut funktioniere. »Wir werden uns noch häufiger treffen müssen, um diesen besonderen Winter vorzubereiten, und wir werden Sondermittel brauchen, um Menschen mit Essen zu versorgen«, betonte Kostka.

Jens Aldag von der Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe erklärte, er hoffe, der Gipfel sei Auftakt für eine Sicherstellung und qualitative Verbesserung der Kältehilfe, aber auch der ganzjährigen Versorgung für obdachlose Menschen in Berlin. Zentrales Ziel müsse die nachhaltige Überwindung der Not sein. »Wir sind, wenn man sich die Zahlen obdach- und wohnungsloser Menschen anschaut, noch lange nicht an einer Kehrtwende angelangt«, betonte Aldag.

Die »Berliner Kältehilfe« gibt es seit 1989. Sie wurde von Wohlfahrtsverbänden, Berliner Kirchengemeinden und der Senatssozialverwaltung ins Leben gerufen, um Obdachlosen und Wohnungslosen zu helfen.

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