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Ist Leitungswasser besser?

Heute über Vor- und Nachteile von Wasser aus dem Hahn und aus der Flasche

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Ist Leitungswasser besser?

Es wird heißer, doch es regnet kaum. Dafür gießt man sich endlos Mineralwasser in den Schlund. Und dann gibt es immer wieder Stimmen, die sagen: Nimm doch Leitungswasser, das ist genauso gut, vielleicht sogar besser. Hat erst jetzt wieder die Stiftung Warentest festgestellt. Was hältst du davon?

Das kommt, wie so oft, darauf an! Es ist natürlich nicht schön, wenn schwach mineralisierte Wasser über erhebliche Entfernungen, beispielsweise aus dem französischen Zentralmassiv, nach Deutschland herangekarrt werden.

Oder sogar von den Fidschi-Inseln.

Noch unschöner. Wenn man diese irren Wege in Rechnung stellt und sich dann die Analysen von Leitungswasser beispielsweise hier in Berlin anschaut, dann gibt es keinen vernünftigen Grund, das Flaschenwasser aus der Ferne zu trinken statt Wasser aus dem Hahn, höchstens einen geschmacklichen.

Schmeckt nicht jedes Wasser gleich?

Nein, da kann man schon Unterschiede schmecken. Selbst bei den sogenannten schwach mineralisierten, die in der DDR wegen der geringen Mineralienanteile gar nicht Mineralwasser heißen durften. Die meisten heute verkauften Mineralwasser enthalten ja kaum nennenswerte Mineralienkonzentrationen, weil es den meisten Leuten sonst zu salzig wäre. Und nicht nur beim Kalziumanteil ist das Berliner Leitungswasser da voll konkurrenzfähig.

Und was trinkst du?

Da ich aus einem Kurort im Vogtland komme, der sechs oder sieben Mineralquellen hat, die als Heilwasser Kurgästen verabreicht wurden, mag ich Wasser, die etwas salzig schmecken. Also solche, die stark mineralisiert sind. Die sind auch besser zum Durstlöschen, finde ich. Beim Schwitzen verliert man ja eine ganze Menge Elektrolyte, also Kalium- und Natriumsalze.

Die bietet Leitungswasser nicht.

Zum Kochen und für Babynahrung wäre das auch nicht gut. Aber viele Mineralwässer sind eben auch kaum anders. Und seit die Stiftung Warentest auch Mineralwasser testet, gibt es noch einen zusätzlichen Streitpunkt. Die stellten gelegentlich Verunreinigungen in den Flaschen fest, manchmal aus dem Kunststoff der Flaschen. Den Vergleich fanden die Hersteller nicht gerecht, weil Mineralwasser so geprüft wird, wie es in der Flasche ist, als Endprodukt – das Leitungswasser aber nur ab Wasserwerk. Die Rohre, durch die es bis zum Wasserhahn fließen muss, spielen da keine Rolle. Im Altbau kannst du aber immer noch irgendwo ein Stück Bleirohr dazwischen haben, und schon ist das Wasser versaut. Oder du hast schlecht gepflegte Armaturen, die dann irgendwelche Keime ins Glas bringen. Also: Das Wasser aus dem Hahn kann genauso gut sein wie das aus der Flasche, muss es aber nicht.

Und warum schleppen jetzt alle Leute Flaschen mit sich rum? Ist der Durst größer?

Da wirkt sich etwas positiv aus, was man Aufklärung nennen könnte: dass nämlich die Leute inzwischen doch wissen, dass viel Trinken der Verdauung hilft. Früher wurden viel mehr Abführmittel verkauft. Das merkt man ja noch bei manchen älteren Leuten, die sagen, sie wollen nicht so viel trinken, weil sie dann dauernd auf Toilette müssen.

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