Ein bisschen Sparen muss sein

Berlin verbraucht im Bundesvergleich am wenigsten Gas. Trotzdem entwirft der Senat einen Energiesparplan

  • Nora Noll
  • Lesedauer: 2 Min.

In der Pressekonferenz des Berliner Senats am Dienstag hält Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) mehrmals stolz ein Balkendiagramm in die Höhe. Der Wirtschaftssenator deutet auf den untersten Balken: Berlin hat mit Abstand den von allen Bundesländern niedrigsten Pro-Kopf-Gasverbrauch. Der durchschnittliche Hauptstadtbewohner verbraucht laut Grafik etwa ein Drittel weniger als die Standard-Saarländerin.

In Zeiten einer möglichen Gasknappheit und einer EU-weiten Aufforderung, Energie zu sparen, stellt sich deshalb die Frage, wie weit Berlin den eigenen Gasverbrauch noch reduzieren kann. »Wir wollen uns natürlich nicht auf den guten Zahlen ausruhen«, so Schwarz. Doch bei einer bereits derart guten Bilanz sei das Einsparpotenzial schlicht niedriger. Schwarz erwähnt die von der EU angedachten 15 Prozent Reduktion, Baden-Württemberg habe gar 20 Prozent angekündigt. Er hält in Berlin zehn Prozent für realistisch.

Der erste Schritt sind Einsparungen im Bereich der Verwaltungen und öffentlichen Liegenschaften. Eine Arbeitsgruppe mit insgesamt 40 Mitgliedern aus allen Senatsverwaltungen, den Bezirken und dem Berliner Immobilienmanagement sammelt Vorschläge, die am 16. August vom Senat politisch bewertet und, je nach Bewertung, anschließend umgesetzt werden sollen. Darunter Ideen wie: Lampen mit LEDs bestücken, Beleuchtungen auf Zeitschaltung stellen, in behördlichen Räumlichkeiten die Heiztemperatur senken. »Als Maxime leiten uns natürlich Fragen des Arbeitsschutzes, und auch die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung muss sichergestellt sein«, so Schwarz. Mit jedem Grad weniger ließen sich ungefähr sechs Prozent der Heizenergie sparen.

Schaufensterbeleuchtungen und das Festival of Lights sind laut Schwarz ebenfalls Thema. »Aber wir dürfen nicht vergessen: Wir stehen am Rande einer Rezession. In Berlin hängt viel am Tourismus, an der Gastronomie und am Handel. Diese Branchen haben schon extrem unter Corona gelitten, das Energiethema könnte sie existentiell bedrohen.« Die energiepolitischen Entscheidungen müssten deswegen stets mit sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen zusammengedacht werden.

In diesem Sinne sollten auch kulturelle Einrichtungen nicht vorschnell heruntergekühlt werden, ergänzt Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Für Theater- oder Opernhäuser ließe sich überlegen, ob eine niedriger eingestellte Heizung Vorführungen beeinträchtige. Aber öffentliche Orte wie Bibliotheken könnten auch als geheizte Einrichtungen wichtig sein für Menschen, die in ihren Privatwohnungen frören. Darüber sei seine Verwaltung mit Bibliotheken im Gespräch, so Lederer. Museumsdepots schließlich müssten auf einer bestimmten Temperatur gehalten werden, um Kulturschätze nicht zu zerstören.

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