Blitzschlag verschärft Energiekrise

Stromausfälle in Havanna nach Explosionen in kubanischem Treibstofflager

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 4 Min.
Mexikanische und kubanische Feuerwehrleute gemeinsam im Kampf gegen den Großbrand im Treibstofflager in Matanzas.
Mexikanische und kubanische Feuerwehrleute gemeinsam im Kampf gegen den Großbrand im Treibstofflager in Matanzas.

Auch am Mittwoch, dem fünften Tag des Großbrands eines Treibstofflagers in Matanzas, kämpften die Einsatzkräfte noch immer gegen die Flammen.

Feuerwehrleute, Spezialbrigaden der Armee, das Rote Kreuz und andere in Brandbekämpfung und -löschung ausgebildete Gruppen sind weiter rund um die Uhr im Einsatz, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Hubschrauber bekämpften die Flammen aus mehreren Richtungen, während militärische Bauspezialisten Barrieren errichteten, um das auslaufende Öl einzudämmen.

In Havannas Stadtteil Vedado gingen am Montagabend für rund vier Stunden die Lichter aus. Offizielle Angaben dazu gab es vorerst nicht. Sicher ist, dass zuvor das größte Kraftwerk des Landes keinen Strom mehr einspeisen konnte. Das Energieministerium teilte mit, es habe das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas wegen Wassermangels vom Netz genommen. Der Großbrand habe die Wasserversorgung der Anlage beeinträchtigt. Durch den Ausfall des Kraftwerks konnte nur noch etwas mehr als die Hälfte des maximalen Strombedarfs der Insel gedeckt werden. Dienstagnacht wurde das Kraftwerk wieder mit dem nationalen Stromnetz synchronisiert, musste aber nach 17 Minuten erneut vom Netz genommen werden. Die Gründe waren zunächst unklar.

Hilfe kommt aus Mexiko und Venezuela. Beide Länder haben technische Brigaden zur Unterstützung der Löscharbeiten entsandt, da Kuba weder über die Erfahrung noch die technische Ausrüstung verfügt, um einen Brand dieser Größenordnung zu bekämpfen. Auch die USA boten Kuba »technische Beratung« an.

Dienstagnacht Ortszeit war das Feuer weiterhin nicht vollständig unter Kontrolle. Aber es wurden Fortschritte bei der Eindämmung erzielt, so die Behörden. Auf der Oberfläche der Tanks seien noch immer Flammen zu sehen, wenn auch keine großen, hieß es. Es wird erwartet, dass die Löscharbeiten noch einige Tage andauern.

Zuvor war auch der vierte Großtank eingestürzt. Am Montag war der dritte Tank in Flammen aufgegangen, »nachdem Treibstoff aus dem zweiten Tank ausgelaufen war«, wie der Gouverneur der Provinz Matanzas, Mario Sabines, gegenüber der Presse erklärte. Dieser zweite Tank wiederum war Sonntagnacht nach fast 40 Stunden Branddauer zusammengebrochen und hatte einen riesigen Feuerball verursacht, der die ganze Stadt Matanzas erleuchtete und sogar auf dem Malecón in Havanna zu sehen war. Sabines verglich die Situation mit einer »olympischen Fackel«, die von einem Tank auf den nächsten überspringt.

Nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft Cupet enthielt der erste Tank, der in Brand geriet, etwa 26 Millionen Liter Rohöl, 50 Prozent seines Fassungsvermögens. Der zweite enthielt 52 Millionen Liter Heizöl. Der dritte Tank fasste ebenfalls 52 Millionen Liter, aber die Behörden gaben nicht an, wie viel Öl sich in ihm befand. Der vierte Tank war Berichten zufolge zuvor geleert worden.

Die vier verbleibenden großen Tanks auf dem Gelände der Treibstoffbasis in Matanzas, die nicht von dem Feuer betroffen waren, seien erhalten und sicher, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums am Dienstagnachmittag.

Die Anlage war am späten Freitagabend in Brand geraten, nachdem ein Blitz in einen der Tanks eingeschlagen war und mehrere Explosionen ausgelöst hatte. Nach vorläufigen Erkenntnissen war die Blitzableitertechnik an dem Tank mit der Intensität der elektrischen Entladung überfordert.

Bislang gab es ein Todesopfer, 14 Menschen werden vermisst. Die Suche nach den vermissten Feuerwehrleuten aber gestaltet sich schwierig, da die Unglücksstelle auch am Dienstag aufgrund der hohen Temperaturen weiterhin kaum zugänglich war.

Die Bewohner in der Nähe des Industriegebiets wurden evakuiert. Es gab zudem mehr als 100 Verletzte. Die meisten Verletzten wurden wegen Verbrennungen und Rauchvergiftungen behandelt, fünf von ihnen befanden sich am Dienstag weiterhin in kritischem Zustand. Die örtlichen Behörden hielten die Bewohner dazu an, Gesichtsmasken zu tragen oder im Haus zu bleiben. Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe aber nicht. Die Rauchwolke, die die Region einhüllte, war sogar in der fast 100 Kilometer entfernten Hauptstadt Havanna zu sehen.

Experten zufolge ist die Supertanker-Basis in Matanzas die wichtigste des Landes und entscheidend für die Versorgung der thermoelektrischen Kraftwerke mit Brennstoff. Außerdem dient sie als Entlade- und Umschlagplatz für importiertes Rohöl, Heizöl und Diesel.

Das Unglück ereignete sich in einer Zeit, in der Kuba mit Treibstoffknappheit zu kämpfen hat und aufgrund des schlechten technischen Zustands vieler Kraftwerke mehrstündige Stromabschaltungen an der Tagesordnung sind. Die Katastrophe könnte die Energiekrise auf der Insel weiter verschärfen. Der Stromausfall in Vedado könnte dafür ein Vorbote sein.

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