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Oase in der Halbwüste

Die Landesgartenschau in Beelitz konnte bereits mehr als 330 000 Besucher begrüßen

  • Von Matthias Krauß, Beelitz
  • Lesedauer: 5 Min.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) besucht die Landesgartenschau in Beelitz.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) besucht die Landesgartenschau in Beelitz.

In diesem heißen, trockenen Sommer gibt es eine große blühende Oase im Land Brandenburg – und das ist die Landesgartenschau (Laga) in Beelitz im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wählt das 15 Hektar große Gelände am Mittwoch dieser Woche als Ziel seiner jährlichen Presse-Tourismusfahrt und erfährt gleich zu Beginn: Nein, es gibt keine Laga-Sondergenehmigung für die Wasserentnahme. »Wir nutzen Brunnenwasser«, sagt der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (parteilos). Nachts werde gesprengt, am nächsten Morgen ergänzen die Laga-Gärtner die Bewässerung dort, wo die Beregnungsanlagen das kühle Nass nicht hingetragen haben.

Das Konzept, in der 13 000-Einwohner-Stadt Beelitz für Einheimische und Besucher einen großen Garten inmitten der allgemeinen Trockenheit zu schaffen, ist aufgegangen. Die Gartenschau hat sich vorgenommen, insgesamt 450 000 Besucher zu begrüßen; mehr als 330 000 sind es schon, als der Ministerpräsident am Mittwoch vor den Eingangstoren steht.

Wie Bürgermeister Knuth verkünden kann, wurden allein rund 10 000 Dauerkarten verkauft. »Ab dem vierten Besuch geht es für die Laga ins Minus«, rechnet Knuth vor. »Manche Dauerkarten-Inhaber sind schon 20- oder gar 30-mal hergekommen.« Aber jetzt, der Bürgermeister lacht, könne man die Dauerkarten auch nicht mehr teurer machen.

Über Dauerkarten verfügen zum Beispiel auch die Pächter der in das Laga-Gelände integrierten Beelitzer Kleingartenparzellen. So wurde ihnen der Zugang zu ihren Parzellen gesichert. Sie müssen jetzt zwar für ein halbes Jahr mit den Besucherströmen neben ihrer Scholle leben, haben aber im Gegenzug dauerhaft eine schön gestaltete Parkumgebung bekommen.

Beelitz hat sich in der Vergangenheit einen Namen als Spargel-Hochburg Ostdeutschlands gemacht. Nun wird unter dem Motto »Gartenfest für alle Sinne« das Angebotsspektrum erweitert. Der Rundgang des Regierungschefs führt am Mittwoch an sechs runden Themengärten vorbei, die mit aufwendiger wechselnder Bepflanzung einen Schwerpunkt der Gartenschau bilden. Vorbei geht es an einem idyllischen Kaffeehaus-Pavillon. Wie Laga-Geschäftsführerin Marina Ringel erläutert, soll das einmal eine Außenstelle des hiesigen Standesamtes werden, also ein Ort, an dem Ehen geschlossen werden können. Vorbei geht es auch am »Feuchtbiotop« für Kinder. Dort spenden drei Düsen ständig Trinkwasser. Was nicht geschluckt wird, das wird aufgefangen und kommt der Bewässerung zugute. Märchen wie »Der Froschkönig« sind zu vernehmen, erzählt in märchenhafter Umgebung.

Am Stand des lokalen Unternehmens Moody Albert steht Tobias Staff bereit, um dem Ministerpräsidenten kein Wässerchen, sondern einen Gin märkischer Herkunft anzubieten. Absichtsvoll unbearbeitet ist der daneben liegende naturbelassene Bereich. Das habe sich die Untere Naturschutzbehörde gewünscht, erklärt der Bürgermeister. Das Areal zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die auf sich gestellte märkische Flora ist, wenn sie denn Wasser bekommt. Allenthalben gehen Kunst und Gartenkunst im großen Garten reizvolle Beziehungen ein.

»Beelitz ist für uns das Flaggschiff des Jahres«, sagt Frank Steffen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg. Beelitz trage mit der Gartenschau »den guten Ruf Brandenburgs in die Welt hinaus«. Steffen ist zugleich für die SPD Bürgermeister von Beeskow. Seinem Parteifreund Woidke berichtet er, dass für viele Gemeinden in Brandenburg die Zeit des Wegzugs und der schrumpfenden Einwohnerzahlen vorbei sei. Bei ihm in Beeskow im Landkreis Oder-Spree gebe es eine Warteliste von rund 100 Anträgen auf Baugrundstücke. Das Förderprogramm »historische Stadtkerne« bezeichnet Steffen als das erfolgreichste von allen. Der Erhalt alter Bausubstanz werde dabei mit modernen Ansprüchen an die Wärmedämmung und mit Solaranlagen kombiniert.

Zum Denkmal des Monats wurde ein historisches Gebäude in der Beelitzer Poststraße 29 gekürt. Die Stadt hat es gekauft und sanieren lassen. »Dort zieht bald ein Goldschmied ein«, erklärt Beelitz’ Bürgermeister Knuth. Für das Geschäft des Handwerkers ist das Erdgeschoss reserviert. In den Etagen darüber wird die Stadt Wohnungen vermieten, zwei Einheiten insgesamt, mit Holzdielen und teils sichtbarer Fachwerkstruktur.

Eine Gartenschau soll der ausrichtenden Kommune immer einen Entwicklungsschub bringen. Es ist aber ungewöhnlich, dass sie so im Zentrum liegt wie in Beelitz. Eine alte Wassermühle wird während der Gartenschau als Kunsthof und Galerie genutzt und soll später als Mühlenmuseum und Stadtbibliothek dienen.

Vor dem Haupteingang der Laga liegt ein großer Parkplatz. Man hat sich aber ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 25 Prozent der erwarteten bis zu 450 000 Gäste sollen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Bei früheren Gartenschauen sind es nur 12 Prozent gewesen. In Beelitz werden auf den Eintritt extra drei Euro Rabatt gewährt, wenn man seinen Fahrschein vorzeigt. Von den Bahnhöfen Beelitz-Heilstätten und Beelitz Stadt verkehrt ein kostenloser Bus-Shuttle.

Ministerpräsident Woidke und der ihn begleitende Tross werden auch über ein schreckliches Ereignis informiert, das in Beelitz Bestürzung und Trauer auslöste: Vor wenigen Tagen sind fünf Abiturienten aus Beelitz mit dem Auto verunglückt. Drei von ihnen waren sofort tot. Zu den beiden Schwerverletzten gehörte eine Gästeführerin der Laga.

Kühl und feucht ist es in der Pfarrkirche St. Marien und St. Nikolai. Diese dient während der Landesgartenschau als Schauhalle. Die Besucher erwartet ein Meer aus Blumen und eine Leistungsschau mit Obst und Gemüse. Hier wurde etwas ganz Neues probiert. Die Kirche ist als Ausstellungsort zwar fest in die Landesgartenschau einbezogen. Sie ist aber nicht – wie in anderen Fällen üblich – für diese Nutzung entweiht worden. Die ansässige Kirchengemeinde ist für die Zeit der Gartenschau zwar in ein Provisorium, einen »Kirchenpavillon« auf dem Laga-Gelände, umgezogen. Nach Abschluss der Gartenschau am 31. Oktober wird die Pfarrkirche aber wieder in Betrieb gehen und kann laut dem Bürgermeister mit einer Instandsetzung und Sanierung rechnen.

Die nächste Landesgartenschau wird in fünf Jahren stattfinden. Erfolgreich darum beworben hat sich Wittenberge, die Elbe-Stadt in der Prignitz, im hohen Nordwesten Brandenburgs. »Eine Laga-Bewerbung kann ich jeder Stadt nur empfehlen«, schließt Bürgermeister Knuth.
»Das ist eine große Chance.«

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