Fluglärm dämpft die Bodenpreise nicht

Grundstücke sind nur in Thüringen und Sachsen-Anhalt billiger als in Brandenburg

  • Matthias Krauß, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Wer die jahrelange rasante Entwicklung der Grundstückspreise im Land Brandenburg verfolgt, der wird sich wundern, dass die Werte als »im Schnitt niedrig« gelten. So aber beschrieb es der langjährige Vorsitzende der Zentralen Gutachterausschüsse, Jürgen Kuse, als er am Donnerstag vor dem Infrastrukturausschuss des Landtags Stellung nahm.

»Bodenpreisentwicklung für Wohnbauland im Land Brandenburg« lautete das Thema des Fachgesprächs. Trotz eines durchschnittlichen Preissprungs von 33 Prozent allein im vergangenen Jahr liegt Brandenburg mit seinen durchschnittlichen Grundstückspreisen hinter Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, allerdings noch vor Thüringen und Sachsen-Anhalt. Deutschlandweit befindet sich Brandenburg an drittletzter Stelle.

Wie Kuse weiter mitteilte, hat sich im laufenden Jahr die Entwicklung fortgesetzt, wenngleich etwas gedämpfter: Im Berliner Umland stiegen die Preise in den ersten Monaten dieses Jahres erneut um zehn Prozent, in anderen Bereichen sogar noch ein wenig mehr. Allem voran »marschiert« Potsdam mit Grundstückspreisen, die mit denen in München vergleichbar sind. In Brandenburg reicht die Spanne von über 1000 Euro für den Quadratmeter Bauland in Potsdam bis zu fünf Euro, die in einigen Dörfern verlangt werden.

Entgegen aller Prognosen unterscheiden sich die Preise für Bauland für den Wohnungsbau im Umfeld des Hautstadtflughafens BER in Schönefeld nicht von denen im übrigen Berliner Speckgürtel. Fluglärm macht Grundstücke demnach nicht billiger. »Der Flughafen ist eröffnet, die befürchteten Preisrückgänge sehen wir nicht«, sagte Kuse.

Relativ neu ist nach seinen Worten, dass die Kommunen in der Nähe Berlins inzwischen deutlich Zurückhaltung üben, was die Ausweisung neuen Baulands betrifft. Das finde »nicht mehr um jeden Preis« statt. Das sei auf den Wunsch zurückzuführen, keine weitere Verdichtung zu betreiben, und erfolge auch im Hinblick darauf, dass die notwendige Infrastruktur – Straßen, Schulen, Kitas – nicht mitgewachsen sei.

Zum einen erhöht diese Verknappung von Bauland natürlich weiter die Preise. Zum anderen führt das dazu, dass diejenigen, die bauen möchten, in weiter entfernte Städte ausweichen. Auch die alte Erfahrung, dass die S-Bahn-Verbindungen letztlich die Grenze für das Siedlungsinteresse markierten, »stimmt schon lange nicht mehr«, setzte Kuse hinzu. Wohnbebauung finde mit Blick auf den Autobahnanschluss oder auch auf die Erreichbarkeit der Regionalbahn statt. »Insofern erleben wir eine sternförmige Ausdehnung des Siedlungsraumes.«

Eine Immobilienblase sieht der Fachmann derzeit noch nicht. Noch sei die Refinanzierung kein Ding der Unmöglichkeit, jedenfalls im Großen und Ganzen nicht. Das könne anders werden, wenn die sehr hohen Grundstückspreise auch in berlinfernen Regionen gefordert werden. Dort könne »die Refinanzierung schwierig werden«.

Wie viele Grundstücke noch bebaut werden könnten, wollte die Landtagsabgeordnete Isabelle Vandré (Linke) wissen. Dazu habe sein Innenministerium keine Übersicht, antwortete Abteilungsleiter Rainer Grieger. Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) schloss aus den vorliegenden Angaben, dass Brandenburg »attraktiv und nachgefragt« sei. Die vorliegenden Erkenntnisse würden der regelmäßigen Überprüfung der Förderpolitik zugrunde gelegt.

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