Apfelpampe in Kräuterquark

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher wird »Genussbotschafterin« der Sarah-Wiener-Stiftung

  • Von Andreas Fritsche, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Fernsehköchin Sarah Wiener kocht zusammen mit zwei Mädchen in der Kindertagesstätte "Regenbogenland".
Die Fernsehköchin Sarah Wiener kocht zusammen mit zwei Mädchen in der Kindertagesstätte "Regenbogenland".

Wer hat noch nicht? Zwei Kinder melden sich. Jetzt dürfen also auch noch Lenny und Arne die Apfelstückchen zerstampfen. Janine hält ihnen solange die Schüssel. Anschließend verrühren die Kleinen die Apfelpampe in der Küche mit Kräuterquark. Die Äpfel haben sie draußen im Garten der Potsdamer Kita Regenbogenland frisch gepflückt. Die zubereiteten Speisen werden dann auf der Terrasse gegessen.

In 203 Städten und Gemeinden Brandenburgs versuchen insgesamt mehr als 1400 speziell geschulte Pädagogen, Kinder in Kitas, Grundschulen und Horten für das Kochen mit gesunden Zutaten zu begeistern. Seit 2015 gibt es die Initiative »Ich kann kochen!«, bei der die Krankenkasse Barmer und die Stiftung der Fernsehköchin Sarah Wiener Hand in Hand arbeiten.

Bundesweit machen 6800 Kitas, 2400 Grundschulen und 900 Horte mit, in Brandenburg sind es insgesamt 537 Einrichtungen, die mindestens einen sogenannten Genussbotschafter haben, der mit den Kindern so kocht, wie sich das Ernährungswissenschaftler wünschen würden. Nicht alle frühkindlichen Bildungsstätten haben dafür so ideale Voraussetzungen wie die Kita Regenbogenland der evangelischen Hoffbauer gGmbH. Denn hier steht eine geeignete Küche mit Backofen und allem Drum und Dran zur Verfügung. Doch für andere Situationen stellt die Sarah-Wiener-Stiftung auch Rezepte zur Verfügung, für die keine Küche erforderlich ist.

»Ein Hoch auf alle, die kochen können«, sagt Wiener am Freitag. Sie ist persönlich in die Kita am Hubertusdamm 50 gekommen und rühmt, »Ich kann kochen!« sei die größte deutsche Ernährungsinitiative. »Ein Hoch auf alle Pädagogen, die Kindern Kochen beibringen«, ruft die 60-Jährige. »Je älter ich werde, umso mehr merke ich, wie sinnvoll das ist.« Leider werde in den Familien immer weniger gekocht. Das betreffe insbesondere Kinder aus armen Haushalten. Diese Schere gehe immer weiter auseinander. »Da gibt es eine gesellschaftliche Aufgabe, diese Schere zu schließen.«

Die »Genussbotschafter« werden mit einem zwei Mal 90 Minuten langen Online-Kurs geschult. Zusätzlich gibt es eine fünfstündige Selbstlernphase. Auf eine solche Ausbildung wurde bei Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) großzügig verzichtet. Wiener und Barmer-Landesgeschäftsführerin Gabriela Leyh ernennen die Politikerin am Freitag in der Kita Regenbogenland auch so zur »Genussbotschafterin«, indem sie ihr eine Kochschürze mit dem Logo ihrer Initiative überstreifen. Nonnemacher sei nicht nur Mutter, nicht nur Ministerin, sondern »Ärztin, die wisse, wie wichtig gesunde Ernährung ist«, würdigt Wiener.

»Ich weiß genau, wie wichtig gesundes Aufwachsen ist, wie wichtig gesunde Ernährung ist von Anfang an«, bestätigt die Ministerin. »Hier wird gewuselt, geschnibbelt. Die Kinder, die teilnehmen, werden gesundes Kochen später zu schätzen wissen«, schwärmt Nonnemacher. 15 Prozent der Heranwachsenden in Brandenburg seien übergewichtig. In armen Haushalten sei dies stärker verbreitet. Darum sei es so bedeutsam, gesundes Verhalten in der Kita einzuüben und den Kleinen zu zeigen, wie viel Freude es mache, an einem schön gedeckten Tisch zu sitzen und gemeinsam zu genießen. Bei der Initiative wird auch die Kostenfrage berücksichtigt. Gesundes Essen muss nicht immer teuer sein. Der Verzicht auf zu viel Fleisch spart Geld.

Lösen kann die Ernährungsfrage die sozialen Probleme allerdings nicht, sondern nur abmildern. Umsonst gibt es Lebensmittel nicht, aktuell kosten sie im Laden so viel wie lange nicht mehr. Nicht von ungefähr gehört zur Initiative »Ich kann kochen!« auch eine Anschubfinanzierung von 500 Euro für die Kitas und Grundschulen, die in das Programm neu einsteigen.

Als Ministerin Nonnemacher am Freitag zum nächsten Termin muss, setzen sich die vier bis sechs Jahre alten Kitakinder gerade zum Essen an den Tisch.

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