Die Ignoranz der großen Leute

Keine Nachsicht mehr mit der Vernachlässigung der Kinderrechte

Nicht jeder ist ein kleiner Prinz: Louis auf dem Schoß seines Großvaters Charles, beide in feinsten Zwirn gekleidet.
Nicht jeder ist ein kleiner Prinz: Louis auf dem Schoß seines Großvaters Charles, beide in feinsten Zwirn gekleidet.

»Kinder müssen mit großen Leuten sehr viel Nachsicht haben«, lässt Antoine de Saint-Exupéry seinen »kleinen Prinzen« sagen. Doch wie viel Nachsicht denn noch?, will man fragen – angesichts einer nun schon über viele Jahre immer weiter wachsenden Zahl von Kindern hierzulande, die von Armut bedroht oder bereits betroffen sind. Seit 2015 ist die Quote um mehr als ein Prozent gestiegen. Damit waren im vergangenen Jahr 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche zumindest armutsgefährdet.

Ein Armutszeugnis für ein Land wie dieses, das 100 Milliarden Euro für seine Armee locker machen kann. Doch alimentiert wird von den großen Leuten in diesem System vor allem, was ihre Macht sichert. Die Kinder sind nach dieser Gesetzmäßigkeit eine zu vernachlässigende Größe, so wie sogenannte sozial schwache Erwachsene oft auch nur noch als Rechenbeispiele dienen, mit wie wenig man hierzulande angeblich gut zurechtkommen kann. Es sei denn, es stehen Wahlen ins Haus – dann gibts ein paar Einmalzahlungen und mehr oder weniger populistisches Geklingel, um ihre Stimmen zu bekommen. Kinder haben nicht mal dieses passive Druckmittel.

Und so lernen schon früh im Leben Millionen von ihnen in Deutschland und noch viel mehr in der ganzen Welt, dass der »soziale Status« von Mama und Papa ihr Schicksal und Verhängnis ist und bleibt, weil ihre universellen Kinderrechte die großen Leute kaum interessieren. Erwachsene aber sollten den natürlichen Gerechtigkeitssinn der Kinder fördern und sie gern auch ein bisschen zornig und ungeduldig werden lassen. Denn die Nachsicht des »kleinen Prinzen« ist zwar ein schönes literarisches Bild, taugt aber nicht für die Realität.

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