Verschleierte Hilfe

Lisa Ecke über die geringe Inanspruchnahme von Sozialleistungen

  • Lisa Ecke
  • Lesedauer: 2 Min.

Trotz Geldnot bekommen viele Familien nicht die finanzielle Unterstützung, die ihnen zusteht. Mehrere Hunderttausend Kinder und ihre Familien haben Anspruch auf den Kinderzuschlag, erhalten diesen laut Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit jedoch nicht. Und das, obwohl immer mehr Menschen aufgrund der Preissteigerungen kaum durch den Monat kommen. Rund 300 Millionen Euro mehr könnten der Kasse zufolge an Familien mit geringen und mittleren Einkommen ausgezahlt werden.

Es ist nicht neu, dass ein erheblicher Teil der Sozialleistungen nicht bei den Menschen ankommt, schließlich wird kaum etwas automatisch ausgezahlt. Vieles muss einzeln beantragt werden. Das ist nicht nur kompliziert, sondern teils kaum alleine machbar. Etwa mit schlechten Sprachkenntnissen. Dazu kommt, dass viele gar nicht wissen, welche Leistungen ihnen überhaupt zustehen. Fast könnte man bei dem Antragswirrwarr und der ungenügenden Information denken, die Hilfe soll gar nicht ankommen. Doch auch wer weiß, was ihr oder ihm zusteht, wird oft von der Angst vor Stigmatisierung abgehalten.

Mit all den unübersichtlichen Einzelleistungen und Beantragungen soll bald Schluss sein. Zumindest, was die Sozialleistungen für Kinder und Jugendliche angeht. Die Ampel-Koaliton will sie in einer Kindergrundsicherung zusammenfassen. Auch ein wenig mehr Geld als bisher soll es geben. Doch die Ampel lässt sich Zeit mit ihrem Vorhaben. Nur die Betroffenen können nicht warten, schließlich müssen sie jetzt irgendwie über die Runden kommen. Es braucht dringend eine Überbrückung bis zur Kindergrundsicherung. Etwa in Form von deutlichen Aufschlägen auf den Hartz-IV-Regelsatz für Kinder oder auf andere bisherige Leistungen. Jedenfalls automatisch und ohne Antrag. Damit die Sozialleistungen überhaupt eine Wirkung gegen Armut haben können und nicht einfach weiter verpuffen.

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