Mit der Banane ins Glück

Die tropische Beere ist nicht einfach eine Süßigkeit, sie liefert dazu noch Mineralstoffe und Vitamine

  • Von Anke Nussbücker
  • Lesedauer: 6 Min.
So einfach kommen Menschenkinder inzwischen kaum noch an Bananen.
So einfach kommen Menschenkinder inzwischen kaum noch an Bananen.

Mehr als 100 Millionen Tonnen Bananen werden weltweit pro Jahr geerntet und verkauft. Für rund 450 Millionen Menschen in Afrika, Indien und Südamerika gehören Kochbananen zu den Grundnahrungsmitteln. Zu DDR-Zeiten wurde die Obstbanane als seltene und viel geliebte Frucht besonders in den Dörfern gerecht nach Personenanzahl in den Familien verteilt. Nach der politischen Wende konnten auch wir Ostdeutschen uns daran satt essen und erlebten darüber hinaus mit, wie braun gewordene, überreife Bananen zu Spottpreisen in Discountern auslagen.

Inzwischen sind Südfrüchte wie Bananen erheblich teurer geworden. Für die Gesundheit und im Rahmen von Diäten bei bestimmten Krankheiten sind Bananen nicht hoch genug einzuschätzen. Besonders für Kleinkinder, aber auch für ältere Menschen mit Kau- und Schluckstörungen ist die weiche Banane leicht zu essen. Bei Magen- und Darmbeschwerden leistet dieses Obst, das eigentlich zu den Beeren zählt, sehr gute Dienste.

Man unterscheidet die Obstbanane und die Kochbanane. Letztere wird auch Mehlbanane genannt, ein sprechender Ausdruck dafür, dass bei dieser Sorte die enthaltene Stärke nicht in Zucker umgewandelt wird.

Die Bananenpflanze (botanisch: Musa paradiesiaca) kann über fünf Meter hoch werden, ist aber kein Baum, sondern eine mehrjährige Staude. Je nach Sorte und Witterung beginnt sie nach zwei bis fünf Jahren, Blüten zu bilden. Diese werden in Afrika, Indien und Südamerika von Vögeln bestäubt.

Alle Bananensorten können als Basis für eine glutenfreie Ernährung dienen, die bei der Darmerkrankung Zöliakie eingehalten werden muss. Bei der Tropenkrankheit Sprue, die ebenfalls mit Durchfall einhergeht, können die in Bananen enthaltenen antientzündlichen Polyphenole zur Genesung beitragen.

Für die glutenfreie Kost sind Bananen und gekochte Kartoffeln gegenüber den als glutenfrei deklarierten Industriebackwaren zu bevorzugen, weil sie im natürlichen und unverarbeiteten Zustand gegessen werden können. Dahingegen enthalten viele in Fabriken hergestellte glutenfreie Waren eine Reihe von chemischen Zusatzstoffen, welche die Darmschleimhaut reizen.

Aufgrund ihres beachtlichen Gehalts an Kalium und Magnesium können Bananen einer Übersäuerung des Organismus entgegenwirken und die Alkalireserven in Blut und Gewebe auffüllen. Sie eignen sich deshalb als Aufbaukost nach schweren Infekten, für Fiebernde, Unterernährte, Schwangere, stillende Mütter, körperlich schwer Arbeitende sowie für Sportler.

Eine hellgelblich-grüne Obstbanane enthält ungefähr zehn Gramm Zucker sowie zehn Gramm Stärke auf hundert Gramm. Mit zunehmendem Reifegrad erhöht sich der Zuckeranteil, der schnell verfügbare Energie für Arbeit und Sport liefert. Der fruchteigene Zucker der Banane ist für die meisten Menschen leicht verdaulich und gut bekömmlich.

Verbreitet ist die Auffassung, dass die Obstbanane nur als Süßigkeit zu betrachten sei. Dem stehen jedoch ihr Vitamin- und Mineralstoffgehalt sowie die gesundheitsfördernden Enzyme der rohen Frucht entgegen. Die enthaltenen Vitamine B1 und B6 sowie die Mineralstoffe Kalium und Magnesium helfen alkoholkranken Menschen, ihren Mangel an eben diesen Stoffen zu beheben. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Bananen in der Behandlung des Alkoholismus eingesetzt. Das Magnesium aus der Banane wird zusammen mit dem enthaltenen Zucker besonders gut resorbiert und könnte einer Krampfneigung der Muskulatur entgegenwirken. Selbstverständlich müssen Zuckerkranke die enthaltenen Kohlenhydrate in ihrem Speiseplan und für die zu spritzende Insulinmenge berechnen.

Ab und zu ist der Einwand zu hören, dass Gemüsearten wie Sellerie, Möhren oder Kohl viel besser zur Versorgung mit Kalium – dem Gegenspieler zu Natrium – beitragen würden. Jedoch müssen gerade diese kaliumreichen Gemüsearten erst mit einem gewissen Arbeitsaufwand zerkleinert, gerieben oder gekocht werden, um als Schonkost für Menschen mit nachlassendem Kauvermögen zu dienen. Eine Banane indes ist schnell geschält und mit der Gabel zu Brei zerdrückt.

Darüber hinaus geht die Mär, dass Bananen glücklich machen, ja sogar als leichtes Antidepressivum wirken. Grund für diese Annahme ist ihr Gehalt an der Aminosäure-Tryptophan mit 18 Milligramm auf 100 Gramm Frucht. Um für Tryptophan als Vorstufe des Glückshormons Serotonin eine pharmakologische Dosis von 100 Milligramm zu erreichen, müssten mindestens 500 Gramm Bananen gegessen werden. Aber dann würden zugleich 100 Gramm Kohlenhydrate zugeführt, zu viel, wenn man nicht gerade einen Marathon läuft. Gehaltvolle Nahrungsmittel wie Nüsse oder Hülsenfrüchte liefern größere Mengen dieser schlaffördernden Aminosäure.

In Deutschland werden im Mittel zwölf Kilogramm der beliebten Frucht pro Person und Jahr verzehrt. Dazu werden mehr als eine Million Tonnen Bananen jährlich importiert. Davon stammen rund neun Prozent aus biologischem Anbau. Recht wenig, wenn man bedenkt, dass die anderen 91 Prozent aus konventionellem Anbau stammen und damit Bananen zu Pestizidweltmeistern machen, wie es auf der Webseite von Fairtrade heißt.

Für Bananen aus fairem Handel, mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet, werden gewisse Mindeststandards im Umwelt- und Arbeitsschutz, existenzsichernde Löhne und das Recht auf gewerkschaftliche Organisation ermöglicht. Die Plantagenarbeiter erhalten zum Beispiel Schutzkleidung, bevor sie Fungizide und andere Gifte auf die Stauden sprühen.

In den letzten Jahren jedoch ist der Anteil an fair gehandelten Bananen in Deutschland von 130 000 Tonnen (2019) auf rund 109 000 Tonnen (2021) gesunken. Hinzu kommen die stark gestiegenen Kosten für Verpackung und Transport. Außerdem führt eine Pilzkrankheit zu Ernteausfällen, sodass insgesamt die Existenz vor allem von kleineren und mittleren Plantagenbetreibern gefährdet ist.

Bananen aus fairem Handel zu kaufen, ist zwar nur ein kleiner Teil der Lösung der ungerechten Nahrungsverteilung auf der Welt, wäre aber für eine Mehrzahl der Deutschen durchaus möglich und ein richtiger Schritt. Der Mehrpreis für eine fair gehandelte Banane entspricht einer kleinen Spende für die Plantagenarbeiter.

Im Bio-Anbau wird auch bei Bananen auf chemisch-synthetische Düngemittel verzichtet und dafür organischer Dünger wie Kompost verwendet. Der Boden wird mit Mulch abgedeckt, damit nicht so viel Wasser verdunstet. Das führt dazu, dass die Bananenstauden mit weniger Bewässerung auskommen und sich die Pilzkrankheit seltener ausbreitet.

Andere Wege beschreiten Obstgärtner, die versuchen, die Bananenstauden in Deutschland zu kultivieren. Dafür wurde die winterharte Sorte Musa basjoo gezüchtet. Sie verträgt Nachtfröste bis zu zehn Grad Minus. Jedoch dauert es fünf Jahre, bis die Staude das erste Mal blüht. Mit etwas Glück bilden sich danach winzige Früchte, die nochmals drei Monate brauchen, um heranzuwachsen. Jedoch bleiben diese Bananen winzig klein, etwa daumengroß. Will man Bananenstauden in Deutschland bedeutende Erntemengen abgewinnen, ist es erforderlich, diesen tropischen Pflanzen ganzjährig eine Temperatur von 27 Grad zu bieten. Einige Obstgärtner in Bayern haben bereits erfolgreiche Versuche mit Papaya auf Firmendächern gestartet und dabei die Abwärme einer Glashütte genutzt. Bananenstauden brauchen, verglichen mit der Papaya, größere Anbauflächen und höhere Gewächshäuser. Die tropische, wärmeliebende Bananenstaude in Deutschland anzubauen, wird jedoch kaum zum Stopp der globalen Ausbeutung im Zusammenhang mit dieser Frucht beitragen.

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