Stierkampfverbot per Gesetz in Frankreich?

Frankreichs Nationalversammlung berät Antrag der linken Bewegung La France insoumise

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Statue des Matadors Christian Montcouquiol: Im Süden Frankreichs haben Stierkämpfe eine lange Tradition.
Statue des Matadors Christian Montcouquiol: Im Süden Frankreichs haben Stierkämpfe eine lange Tradition.

Der von der linken Bewegung La France insoumise (LFI) eingebrachte Gesetzesantrag, den Stierkampf in Frankreich zu verbieten, hat eine heftige und kontroverse Debatte in der französischen Nationalversammlung ausgelöst. Geschlossen stehen hinter dem Antrag nur die Abgeordneten der Bewegung La France insoumise und der Partei der Grünen. Selbst bei den Kommunisten und den Sozialisten, ihren Partnern im linken Parteienbündnis Nupes, gibt es Vorbehalte. Vor allem jedoch sind die rechte und die rechtsextreme Opposition, aber auch das Regierungslager in dieser Frage tief gespalten. Es wurde erwartet, dass der Text in der ersten Lesung am Donnerstag noch nicht den Durchbruch schafft.

Der LFI-Abgeordnete Aymeric Caron, der ihn mit den Unterschriften von weiteren 100 Parlamentariern eingebracht hat, ist aber auf lange Sicht zuversichtlich. Umfragen zufolge sind mehr als 80 Prozent der Franzosen für ein Verbot, und selbst in den südfranzösischen Städten, wo die Stierkämpfe eine prägende Tradition darstellen, sind es 61 Prozent. Dem stehen die sehr aktiven Bemühungen einer Pro-Corrida-Lobby entgegen. Davon zeugte schon die äußerst kontroverse Debatte vor einer Woche im Parlamentsausschuss, wo der Antrag zwar mit knapper Mehrheit abgelehnt, aber trotzdem zur Behandlung im Plenum weitergeleitet wurde. Weil sich dabei bereits der tiefe Riss zeigte, der sich in dieser Frage quer durch fast alle Fraktionen zieht, haben diese es ihren Abgeordneten freigestellt, nach persönlicher Überzeugung zu votieren.

In Frankreich gilt zwar ein im Strafgesetzbuch verankertes Verbot, Tiere zu quälen und öffentlich zu töten, doch durch ein Gesetz von 1951 wurden unter Berufung auf regionale Traditionen zwei Ausnahmen zugelassen. Zum einen betrifft das den Stierkampf, der vor allem in Südfrankreich sehr alte Wurzeln hat, und zum anderen den Hahnenkampf in Nordfrankreich. Der Antrag des Abgeordneten Aymeric Caron will, dass diese Ausnahmeregelung jetzt durch das Parlament aufgehoben wird.

Für die Politiker, die den Stierkampf verteidigen, gehört er zum Brauchtum und Kulturerbe, und viele sehen in ihm sogar eine Kunst. Rechtsextreme Gegner der Verbotspläne werfen dem Autor des Gesetzestextes vor, dass er sich wiederholt zu einem militanten Antispeziesismus bekannt hat, also der Überzeugung, dass es keine Hierarchie zwischen Menschen und Tieren gibt. Der rechtsrepublikanische Oppositionspolitiker Bernard Brochand betont, der Bewegung La France insoumise gehe es nur um einen »Tiefschlag« gegen die Regierung, weil diese sich gegen ein Verbot des Stierkampfes ausgesprochen hat. Die Verteidiger der Stierkampftradition betonen, dass davon nur rund 1000 Stiere pro Jahr betroffen sind, und verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung der Corridas für den Tourismus mit einem jährlichen Gesamtumsatz von mehr als 100 Millionen Euro und rund 1000 Arbeitsplätzen.

Doch Toreros und Stierzüchter machen sich keine Illusionen. Sie wissen, dass der Stierkampf über kurz oder lang verboten wird, hoffen aber, dass man diesen Termin noch möglichst weit hinausschiebt.

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