Signa verkauft Hausprojekt am Alexanderplatz in Berlin

Nach Galeria-Standort am Alex: Wird Signa auch andere Immobilienprojekte verkaufen?

  • Yannic Walther
  • Lesedauer: 3 Min.
So soll es mal aussehen: Im Vordergrund das Signa-Hochhaus am Alexanderplatz. Ob die anderen Hochhäuser am Alexanderplatz noch gebaut werden, ist mehr als fraglich.
So soll es mal aussehen: Im Vordergrund das Signa-Hochhaus am Alexanderplatz. Ob die anderen Hochhäuser am Alexanderplatz noch gebaut werden, ist mehr als fraglich.

Beim österreichischen Immobilien- und Warenhauskonzern Signa rumpelt es gewaltig. In den letzten Wochen war zu hören, dass das Unternehmen Immobilienprojekte früher verkaufen könnte. Jetzt hat Signa den Galeria-Standort am Alexanderplatz und das an dieser Stelle im Bau befindliche Hochhaus abgestoßen. Der Vermögensverwalter Commerz Real, der bereits eine 20-prozentige Beteiligung hielt, übernimmt auch die restlichen 80 Prozent für seinen Immobilienfonds »Hausinvest«. Im Gegenzug hat Signa Beteiligungen an Warenhäusern unter anderem in Frankfurt, Düsseldorf, Köln und München übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Seit 2021 hat Signa einen Teil des Warenhauses am Alexanderplatz abreißen lassen, um an dieser Stelle einen 134 Meter hohen Büroturm zu errichten, der sich in das Warenhausgebäude integrieren soll. Über die Kellergeschossdecke ist Signa bislang nicht hinausgekommen. Eine Fertigstellung ist eigentlich für 2025 geplant.

»Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Immobilien aus Signas Prime-Bereich verkauft werden. Das lässt tief blicken, wie es um den Konzern bestellt ist«, sagt Julian Schwarze, Stadtentwicklungsexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, zu »nd«. »Es bestätigt, dass Signa wirklich Probleme hat. Die Frage stellt sich, welche Projekte sie überhaupt noch fertigstellen«, sagt auch seine Kollegin von der Linksfraktion, Katalin Gennburg.

Am Kurfürstendamm will Signa zwei Hochhäuser bauen. Auch den Standorte am Hermannplatz will der Konzern entwickeln. Grüne und Linke lehnen die Vorhaben ab. Der Verkauf am Alex lässt möglich erscheinen, dass Signa auch diese Immobilien gewinnbringend verkaufen könnte, sobald erst einmal Baurecht geschaffen wurde. »Wir wissen nicht, wie es mit Signa weitergeht«, sagt Gennburg, die für eine Kommunalisierung der Warenhäuser wirbt.

Wenn Signa nicht mehr der Eigentümer ist, sind teils auch Abmachungen mit dem Unternehmen hinfällig. »Wer weiß, ob der neue Eigentümer überhaupt noch ein Warenhaus an dem Standort betreiben will«, sagt Julian Schwarze mit Blick auf den Alexanderplatz. »Ich hoffe, dass mit dem Verkauf am Alex jetzt auch in der Senatsbauverwaltung ein realistischerer Blick auf Signas andere Immobilienprojekte einkehrt«, so der Grünen-Politiker.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) hatte vergangene Woche im Stadtentwicklungsausschuss davor gewarnt, dass ohne Baurecht Investitionsruinen entstehen könnten. Planungsrechte seien keine Garantie für einen Bau, erwidert Julian Schwarze. »Dass Investitionsruinen entstehen können, gerade wenn Baurecht geschaffen worden ist, sieht man beim Monarch-Hochhaus.«

Bei diesem Hochhausprojekt am Alex sind die Arbeiten seit diesem Jahr komplett eingestellt. Auch die Zukunft anderer Hochhausprojekte am Alexanderplatz ist mehr als fraglich. Covivio hat sein Vorhaben stoppen müssen, weil der Tunnel der U-Bahn-Linie U2 absackte. Nach »nd«-Informationen könnte nun auch der Bahnsteig der U5 in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Damit wird auch der Bau des Hines-Tower über dem Tunnel der U5 unrealistischer.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal