Der Leber kann geholfen werden

Zum Welt-Hepatitis-Tag: Einige chronische Leberinfektionen sind gut behandelbar

  • Ulrike Henning
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Leber ist ein besonderes Organ: Sie ist mit einem Gewicht von etwa 1,6 Kilogramm die größte Verdauungsdrüse des menschlichen Körpers, aber sie leidet stumm. Besonders ihre Infektionen haben es in sich: Oft treten keine oder nur wenige Symptome auf, wodurch die Entzündungen der Leber lange unerkannt bleiben und gesundheitliche Schäden anrichten können. Andererseits ist Hepatitis, so der Fachbegriff, behandelbar.

Zugleich gehören die Infektionen zu den weltweit häufigsten ansteckenden Krankheiten. Die meisten Fälle gehen auf die Hepatitisviren A bis E zurück. Die chronischen Infektionen mit den B- und C-Viren zählen zu den wichtigsten Ursachen für Leberzirrhose (auch Schrumpfleber) und Leberzellkrebs. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leben global etwa 354 Millionen Menschen mit einer Hepatitis B oder C. In Deutschland gibt es vermutlich mehrere Hunderttausend davon Betroffene. Da aber weltweit alle 30 Sekunden ein Mensch an einer Hepatitis-bedingten Krankheit stirbt, forderte die WHO alle Staaten auf, zusammenzuarbeiten, um diese Krankheiten bis 2030 zu beseitigen.

In diesem Sinne wird auch 2023 am 28. Juli wieder der Welt-Hepatitis-Tag begangen. Dabei geht es auch in Deutschland unter dem Motto: »Ich warte nicht. Ich handele!« darum, selbst aktiv zu werden. Sich selbst und andere kann man vor der Krankheit schützen – durch Tests, Impfungen oder eine Therapie. Deshalb werden an diesem Freitag auch in der Bundesrepublik lokal Informationsveranstaltungen oder Testmöglichkeiten angeboten.

Die bis 2030 angestrebte Eliminierung der Virushepatitiden B und C wird von der WHO noch genauer definiert. So sollen die Infektionen jeweils um 90 Prozent reduziert werden. Das Ziel umfasst auch, dass 80 Prozent der therapiebedürftigen Infizierten eine Behandlung erhalten und die Todesfälle um 65 Prozent reduziert werden. Auch die Bundesregierung hat sich diesem Vorhaben verpflichtet.

Die Voraussetzungen zur Erfüllung des Ziels sind so schlecht nicht, unter anderem wegen neuer, direkt wirkender antiviraler Substanzen, die zu den wichtigsten Fortschritten der jüngeren Medizingeschichte zählen. Vor Entdeckung der Substanzen konnten bis 2014 maximal 80 Prozent der Fälle geheilt werden. Mit den neuen Wirkstoffen lassen sich Hepatitis-C-Viren nun zu mehr als 90 Prozent dauerhaft beseitigen, bei geringeren Nebenwirkungen und einfacherer Anwendung. Die Präparate wirken gezielt auf die Viren, indem sie Enzyme hemmen, die für deren Vermehrung nötig sind.

Hepatitis B wiederum kann medikamentös gut kontrolliert werden. Gegen diesen Erreger schützt eine seit 1992 von der WHO empfohlene Impfung – und zugleich auch gegen Hepatitis D. Letztere Infektion kann nur gemeinsam mit einer Hep-B-Infektion auftreten. Chronisch damit infiziert sind laut Experten in Deutschland etwa 30 000 Menschen. Das D-Virus gilt als der gefährlichste der Hepatitis-Erreger, weil dadurch besonders oft Leberzirrhose und -krebs entstehen. Es wird vor allem über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen. Sowohl die B- als auch die D-Viren gehören zu den umhüllten Viren. Ihre Membran aus Fetten und Eiweißen erleichtert das Unterlaufen der körpereigenen Abwehr. Allerdings ist die Hülle vom D-Virus unvollständig. Zur Vermehrung benötigt es das Hüllprotein des B-Virus.

Wer sich gegen Hepatitis-B impfen lässt, ist zugleich vor der anderen Infektion geschützt. Empfohlen wird die Impfung Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind sowie Patienten, deren Immunsystem unterdrückt werden muss, oder Dialyse-Patienten und Menschen mit einer HIV-Infektion. Auch Hepatitis-C-Infizierten wird die Impfung angeraten.

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