ChatGPT-Anbieter mit neuem alten Chef

Sam Altman wurde nach einem Streit um KI-Sicherheit entlassen. Nun ist er zurück

  • Julian Hitschler
  • Lesedauer: 3 Min.
Sam Altan kehrt auf den Chefposten bei OpenAI zurück.
Sam Altan kehrt auf den Chefposten bei OpenAI zurück.

Das Interregnum war von kurzer Dauer. Sam Altman kehrt offenbar als Chef des US-amerikanischen KI-Entwicklers OpenAI zurück, wie das Unternehmen am Dienstag ankündigte. Altman war erst am Freitag entlassen worden – ziemlich überraschend, auch für viele Beobachter des Silicon Valley. Nach einer heftigen Reaktion der Börse und einem medialen Machtkampf hat er nun wieder das Sagen beim einem der bekanntesten Technologieunternehmen der Welt.

Hintergrund des Vorgangs war offenbar ein Streit mit dem Vorstand von OpenAI. Altman habe mit dem Gremium »nicht konsistent offen« kommuniziert, so die Begründung für seine Entlassung. Mit anderen Worten: Der Vorstand fühlte sich von Altman getäuscht.

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Juristisch gesehen ist OpenAI eine gemeinnützige Stiftung. Das Unternehmen entwickelt einige der komplexesten KI-Modelle der Welt, die etwa hinter Produkten wie dem interaktiven Textgenerator ChatGPT und der Bilderstellungsanwendung Dall-E stecken. Ein profitorientiertes Tochterunternehmen kümmert sich um die Kommerzialisierung. Einer der größten Investoren ist der Software-Konzern Microsoft, der im Januar ankündigte, weitere zehn Milliarden US-Dollar für Projekte von OpenAI zur Verfügung zu stellen.

Hinter den Kulissen hatte es offenbar seit längerer Zeit Spannungen zwischen Altman und dem wissenschaftlichen Leiter von OpenAI, Ilya Sutskever, gegeben. Sutskever, einer der renommiertesten KI-Forscher der Welt, hatte die Stiftung 2015 mit dem selbsterklärten Ziel gegründet, die künstliche Intelligenz verantwortungsvoll und ohne kommerziellen Druck weiterzuentwickeln. Ebenfalls im Vorstand saß damals Tesla-Chef Elon Musk, der sich aber später wegen möglicher Interessenkonflikte zurückzog. Sutskever fühlte sich offenbar von Altman immer stärker unter Druck gesetzt, die von OpenAI entwickelte Technologie gewinnbringend zu vermarkten. Weitere Vorstandsmitglieder hätten die Sorge geäußert, Sicherheitsaspekte würden dabei als zweitrangig behandelt, wie die »New York Times« am Dienstag berichtete.

Altman selbst scheint sich in der Frage der KI-Regulierung einer Doppelstrategie zu bedienen: Auch er betont öffentlich immer wieder die Gefährlichkeit der künstlichen Intelligenz und die Notwendigkeit, sie zu regulieren, so etwa auch bei einem Auftritt vor dem Technologieausschuss des US-Senats im Mai. Altman gehört zu den Stimmen in der Branche, die der Technologie nicht nur das Potenzial für weitreichende sozioökonomische Verwerfungen zuschreiben, sondern sie auch als existenzielle Bedrohung für die Menschheit darstellen. Kritische Beobachter wie der Technikjournalist Brain Merchant sehen darin eine Marketingstrategie: Die Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz würden übertrieben, wodurch zusätzliches Kapital von Investoren angelockt werden soll. Für diese These spricht, dass sich Lobbyisten von OpenAI auf EU-Ebene dafür einsetzten, dass die von der Kommission geplante KI-Verordnung abgeschwächt werden soll.

Nach der Entlassung von Altman gab der Aktienkurs von Microsoft merklich nach: 48 Milliarden US-Dollar verlor das Unternehmen an Börsenwert, was davon zeugt, welche Hoffnungen in die Kommerzialisierung der neuen Technologie gesetzt werden. Microsoft reagierte prompt und bot Altman eine Stelle beim Mutterkonzern an. Bevor er diese antreten konnte, knickte OpenAI jedoch ein. Sutskever und andere kritische Vorstandsmitglieder mussten am Dienstag zurücktreten. Eine entscheidende Rolle spielte hier offenbar auch die Reaktion der Beschäftigten des Unternehmens. Eine überwältigende Mehrheit von ihnen soll sich für Altmans Rückkehr ausgesprochen haben, wie der Fernsehsender CNN berichtet.

Nach der erfolglosen Revolte soll der Vorstand von OpenAI mit Personen nachbesetzt werden, die den Kurs von Altman mittragen wollen, darunter Larry Summers, ehemaliger Präsident der Eliteuniversität Harvard und Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama. Die Kommerzialisierungspläne von Microsoft für die Produkte von OpenAI dürften hierdurch schneller realisierbar sein.

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