Jan Ullrich: Von Rauchverboten und fragwürdigen Weltmeistertiteln

Als »Weltmeister im Rauchen« bezeichnet sich Jan Ullrich. Ob der Ex-Radprofi damit mehr Menschen vom Rauchen abhalten kann, als die Ampel-Koalition?

  • Joel Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn der Laienschauspieler Helmut Körschgen mit einem geizig gewesen ist, dann wohl mit seinen Zigaretten. In Helge Schneiders zweitem Kinofilm »00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter« von 1994 liegt dieser schwer angeschlagen, aber rauchend im Krankenhausbett, damit beschäftigt, eine Krankenschwester abzuwimmeln, die ihn um eine Packung Zigaretten anfleht. »Das kann ich nicht, ich habe nur noch 40 Schachteln«, entgegnet dieser mit Verweis auf einen Stapel gelber »Reval«-Päckchen, die seinen Nachttisch zieren. »Ach Herr Körschgen, ich rauch’ doch auch so gerne«, versucht es die Krankenschwester erneut. Doch vergebens. Antwort Körschgen: »Solange man lebt, soll man rauchen. Und dafür brauche ich die noch.«

Neben Alkohol ist wohl kaum eine andere Droge weltweit gesellschaftlich so akzeptiert wie Tabak. Laut der letzten Debra-Studie (Deutsche Befragung zum Rauchverhalten) hat sich der Anteil der 14- bis 17-jährigen Tabakraucher*innen im Jahr 2022 von 8,7 Prozent auf 15,9 Prozent fast verdoppelt. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren stieg der Anteil von 36 Prozent auf knapp 41 Prozent.

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Entgegen dem deutschen Trend haben Länder wie Großbritannien und Frankreich das Ziel ausgegeben, künftig »rauchfreie Generationen« erreichen zu wollen. Schon heute sind in Großbritannien Zigaretten mit 16 Euro pro Schachtel deutlich teurer als hierzulande, genauso wie in Frankreich dürfen sie nur auf Nachfrage und in olivgrünen Einheitsverpackungen veräußert werden. Dem Beispiel Neuseelands folgend, fordert der britische Premier Rishi Sunak sogar, den Verkauf von Tabak an Menschen zu verbieten, die nach dem 31. Dezember 2008 geboren sind. In Neuseeland hat der frisch vereidigte konservative Premierminister Christopher Luxon als erste Amtshandlung allerdings verkündet, die strenge Anti-Tabak-Gesetzgebung seiner Vorgängerin rückgängig zu machen.

Warnung vor übermäßigem Tabakkonsum

Und in Deutschland? Im Koalitionsvertrag der Ampel ist lediglich festgehalten, dass man in puncto Nikotin »verstärkte Aufklärung« betreiben und verschärfte Regelungen für Marketing und Sponsoring beschließen wolle. Ungefragte Schützenhilfe bei der Aufklärungsarbeit könnte die krisengeplagte Regierung ausgerechnet von Ex-Radprofi Jan Ullrich bekommen. Mit seinem verspäteten Doping-Geständnis und einer neuen Doku-Serie auf Amazon mausert sich der deutsche Tour-de-France-Sieger von 1997 derzeit zum Everybody’s Darling der deutschen Öffentlichkeit.

Auf dieser Welle reitend, könnte der 50-Jährige genauso gut als warnender Posterboy für übermäßigen Tabakkonsum herhalten. In einem Podcast erzählte er unlängst, auch wenn er nicht stolz darauf sei, dass er »mit Sicherheit Weltmeister im Rauchen« wäre. Wie das? Zu seinen dunkelsten Zeiten, lange nach Beendigung seiner Karriere als Leistungssportler, habe er mal »zwischen 700 und 900 Zigaretten an nur einem Tag« geraucht. Jeweils neun Zigaretten auf einmal, zusammengehalten durch ein Gummiband und über einen Zeitraum von »16 oder 17 Stunden«.

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