Hogir Alay: Tod in Kusel war Suizid

Polizei und Staatsanwaltschaft vermelden Ende der Ermittlungen

  • Matthias Monroy
  • Lesedauer: 2 Min.
EIne kurdische Unterstützergruppe forderte auf einer Kundgebung Aufklärung zum des jungen Asylsuchenden.
EIne kurdische Unterstützergruppe forderte auf einer Kundgebung Aufklärung zum des jungen Asylsuchenden.

Der am 4. November in einem Waldstück auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Kusel tot aufgefundene Hogir Alay hat sich selbst erhängt, ein Fremdverschulden wird ausgeschlossen. Das ergab ein Todesermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern und des Polizeipräsidiums Westpfalz, worüber die Behörden am Donnerstag auf einer Pressekonferenz berichteten. Demnach trat der Tod vermutlich am 11. Oktober ein.

Der 25-Jährige mit türkischer Staatsangehörigkeit war mit einem Gürtel um den Hals an einem Baum auf dem weitläufigen Gelände der AfA gefunden worden. Unterstützer der anschließend gegründeten kurdischen »Initiative Hogir Alay« hatten vermutet, dass er in den Suizid getrieben worden sein könnte.

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»Solche Anhaltspunkte gibt es nach dem Ergebnis der Ermittlungen nicht«, hieß es dazu am Donnerstag. Alay habe sich vielmehr aus privaten Gründen »am Ende seiner Kraft« gesehen. Dies habe auch die Untersuchung seines Handys ergeben.

Alay sei zwar auch mit seiner Unterbringung in einem Doppelzimmer nicht zufrieden gewesen, habe der Leitung der AfA aber »kein schuldhaftes Verhalten« vorgeworfen, so die Behörden. Über mehrere Zimmerverlegungen beschwerte sich Alay auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, hierüber hatte »nd« berichtet.

Auf der Pressekonferenz wurde auch ein Streit mit Mitarbeitern des Sozial- sowie des Sicherheitsdienstes der AfA im Sommer thematisiert. In deren Folge war Alay in die Psychiatrie eingewiesen und tags darauf wieder entlassen worden. Diesen Vorfall habe er mit den beiden Mitarbeitern geklärt, so die Darstellung. Dass er sich nicht durch das Personal bedroht gefühlt habe, belege auch die Auswertung von Inhalten auf dem Telefon des Verstorbenen.

Vermisst wurde Alay erst am 17. Oktober und anschließend vom Sicherheitsdienst bei der Ausländerbehörde als »abgängig« gemeldet. Weil sich die Bewohner der AfA frei bewegen könnten, erfolgte keine Vermisstenmeldung. Die Polizei sei jedoch am selben Tag »in einem anderen Kontext« von Angehörigen kontaktiert und um die Überbringung einer Mitteilung an Alay gebeten worden.

Normalerweise äußern sich Polizei und Justiz nicht zu Suiziden. Die nun ausführliche Darstellung könnte der »Initiative Hogir Alay« geschuldet sein, die unter anderem mit Demonstrationen für öffentliches Interesse gesorgt hatte.

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