Tiermedizin in Berlin: FU spart Millionen durch Unterbesetzung

Neu geschaffene Stellen vergrößern Personallücke in der Tiermedizin

  • Moritz Lang
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Entlastung der Beschäftigten am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin (FU) lässt auf sich warten: Jede achte Stelle im Bereich Technik, Service und Verwaltung bleibt unbesetzt. War Anfang 2021 bereits mit Vollbesetzung der damals 225 Stellen über schlechte Arbeitsbedingungen geklagt worden, hat sich die Lage mit nun lediglich 214 besetzten Stellen noch verschärft. Das zeigt eine Schriftliche Anfrage von Tobias Schulze, Sprecher für Wissenschaft und Forschung der Linken im Abgeordnetenhaus.

Die vergangenen Jahre kam es zu immer mehr Beschwerden aus der Belegschaft am Institut für Tiermedizin: Überlastung, zu niedrige Eingruppierung im Tarifvertrag, nicht ausgezahlte Zulagen. Mangels Personal wurde die 24/7-Notversorgung der Kleintierklinik eingestellt, bei einer unangekündigten Betriebsinspektion nach einem Arbeitsunfall wurden diverse Mängel bei der Arbeitssicherheit festgestellt.

»Besonders seit 2021 kam es zu einer regelrechten Kündigungswelle«, heißt es aus Beschäftigtenkreisen. Zeitgleich habe auch eine Umstrukturierung des Fachbereichs stattgefunden. Wie die Schriftliche Anfrage ergibt, haben in den vergangenen drei Jahren 81 Beschäftigte und 30 studentische Mitarbeiter gekündigt.

Muckefuck: morgens, ungefiltert, links

nd.Muckefuck ist unser Newsletter für Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik – aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeelänge Berlin – ungefiltert und links. Jetzt anmelden und immer wissen, worum gestritten werden muss.

Aufgrund neuer Musterstellenbeschreibungen landen manche Mitarbeiter jetzt in einer höheren Tarifgruppe. Seit 2021 kam es jedoch zu 157 Anträgen auf Höhergruppierung, von denen lediglich zehn stattgegeben wurde. Auf die Frage, in welchem Umfang bisher Nachzahlungen von Zuschlägen durchgeführt wurden, antwortet die FU, dass sie seit 2021 Zeitzuschläge in Höhe von gut zwei Millionen Euro an 312 Personen gezahlt hat.

Durch zu niedrige Löhne und Unterbesetzung sparte die Uni bares Geld: Vergangenes Jahr allein hat der Fachbereich durch unbesetzte Stellen über drei Millionen Euro gewonnen. Nimmt man den Zeitraum ab 2021, summiert sich die Ersparnis gar auf über fünf Millionen Euro.

Interessant in dem Zusammenhang könnte besonders eine Personalie sein: Der seit einigen Jahren als Verwaltungsleiter des Fachbereichs Veterinärmedizin tätige Karsten Schomaker war zuvor mit dem personellen Outsourcing für den Botanischen Garten betraut. An dessen Beispiel veröffentlichte er Artikel über Privatisierung als Chance für nachhaltige Organisationsentwicklung.

»Die Kosten von Tiermedizin und Botanischem Garten sind nach interner Finanzlogik der Universität ein Klotz am Bein und werden kleingehalten«, sagt Tobias Schulze. Die Kleintierklinik an sich bringe keine Drittmitteleinnahmen – es käme darauf an, dass Senat und FU die Veterinärmedizin ausreichend finanzieren: »Ich glaube, die Geschichte des Botanischen Gartens hat gezeigt, dass Ausgliederungsmodelle keinen Erfolg bringen, von Privatisierung ganz zu schweigen«, so Schulze.

»Es ist wichtig, dass überhaupt ein Umdenken stattgefunden hat«, sagt Schulze, »der jahrelange Kampf von Verdi und Personalrat trägt Früchte.« Ob allein die Schaffung von 25 neuen Stellen seit letztem Jahr genügt, den Teufelskreis aus Unterbesetzung und schlechten Arbeitsbedingungen zu brechen, vermag der Abgeordnete nicht zu sagen.

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal