Die Vermögen sind reif

Durch Schonung der Superreichen entgehen dem Staat viele Milliarden

  • nd
  • Lesedauer: 2 Min.
Immobilienvermögen werden in Deutschland besonders niedrig besteuert.
Immobilienvermögen werden in Deutschland besonders niedrig besteuert.

Berlin. Ungerechtigkeit ist bei vielen Kindern und Jugendlichen ein großes Thema. Dies geht aus einer am Dienstag vorgestellten Sozialstudie der Universität Bielefeld hervor. Sie sehen demnach vor allem in der Förderung von Bildung, beim Thema Inklusion, in der Herstellung von Chancengleichheit sowie in der Hilfe und Unterstützung für alte und arme Menschen Handlungsbedarf. »Erschreckend ist, dass die Jugendlichen diese Aspekte in der Praxis wenig abgebildet sehen. In ihrer Wahrnehmung sind sie von der Politik ungesehen und ungehört«, sagte Studienleiter Holger Ziegler.

Ungerechtigkeit ist zum Teil eine Frage der Perspektive: Während 14 Prozent der Kinder mit hohem sozio-ökonomischen Status (SOES) Deutschland als »sehr« oder »eher« ungerecht erleben, sind es bei ihren Alterskollegen mit niedrigem SOES 59 Prozent. Zu den Punkten, die in diesem Zusammenhang übergreifend als besonders wichtig angesehen werden, zählt für 61 Prozent der Befragten die »Gleichverteilung von Vermögen und Einkommen«.

Hierbei spielt der Staat eine große Rolle. Insbesondere über Steuern ließen sich Ungerechtigkeiten vermindern. Doch gerade bei der Besteuerung von Vermögen der Superreichen ist man in Deutschland sehr zurückhaltend. So wird die frühere Vermögensteuer seit 1996 nicht mehr erhoben. Seither sind die hundert größten deutschen Vermögen um etwa 460 Milliarden Euro angewachsen, wie aus einer ebenfalls am Dienstag vorgestellten Studie von Oxfam und dem Netzwerk Steuergerechtigkeit hervorgeht. Dadurch seien dem Staat Einnahmen von bislang über 380 Milliarden Euro entgangen. »Anstatt im Bundeshaushalt zum Kahlschlag bei der Entwicklungszusammenarbeit und bei Sozialausgaben anzusetzen, sollte die Bundesregierung die Besteuerung sehr hoher Vermögen endlich auf die Tagesordnung setzen«, sagte Manuel Schmitt, von Oxfam Deutschland. »So könnte die demokratiegefährdende Vermögenskonzentration verringert und dringend benötigte finanzielle Mittel für den sozialen Zusammenhalt und den Klimaschutz generiert werden – in Deutschland und weltweit.« Anders ausgedrückt: Die Zeit für die Vermögensteuer ist reif. nd

App »nd.Digital«

In der neuen App »nd.Digital« lesen Sie alle Ausgaben des »nd« ganz bequem online und offline. Die App ist frei von Werbung und ohne Tracking. Sie ist verfügbar für iOS (zum Download im Apple-Store), Android (zum Download im Google Play Store) und als Web-Version im Browser (zur Web-Version). Weitere Hinweise und FAQs auf dasnd.de/digital.

Das beste Mittel gegen Fake-News und Rechte Propaganda: Journalismus von links!

In einer Zeit, in der soziale Medien und Konzernmedien die Informationslandschaft dominieren, rechte Hassprediger und Fake-News versuchen Parallelrealitäten zu etablieren, wird unabhängiger und kritischer Journalismus immer wichtiger.

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

Vielen Dank!

Unterstützen über:
  • PayPal