Der Fall Kosovo

  • Von Detlef D. Pries
  • Lesedauer: 1 Min.

Hashim Thaci wurde 1997 von einem serbischen Gericht wegen Terrorismus und Mordbeteiligung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Vier Jahre zuvor hatte er zu den Gründern der »Befreiungsarmee« UCK gehört, die damals auch im Westen noch als terroristische Vereinigung galt. Derselbe Thaci will Kosovo nun als Regierungschef in die Unabhängigkeit führen. »Wir vertrauen dem Westen«, verkündete er nach seinem Wahlsieg.

Das Vertrauen ist nicht unbegründet. Nachdem die NATO 1999 im Krieg gegen Jugoslawien faktisch als Luftwaffe der UCK agiert hatte, unternahmen die westlichen Übergangsverwalter Kosovos in den vergangenen acht Jahren nichts, was die Sezessionsbestrebungen der Kosovo-Albaner hätte bremsen können. Und dies entgegen der UNO-Resolution 1244, die Serbiens territoriale Souveränität bekräftigte, und entgegen dem Völkerrecht, das eine Abspaltung nur zuließe, wenn Kosovo berechtigte Autonomieforderungen verweigert würden. Das ist aber nicht der Fall: Belgrad ist zu weitestgehenden Zugeständnissen bereit. Einzig die Kosovo-Albaner lehnen jegliches Autonomiemodell ab.

Thacis westliche »Vertraute« suchen noch nach einer Finte, den Völkerrechtsbruch zu verschleiern. Notfalls werden sie sich auf die »normative Kraft des Faktischen« berufen und eine einseitige Unabhängigkeitserklärung anerkennen – ungeachtet gefährlicher Konsequenzen für offene und schwelende Konflikte auf dem Balkan wie in anderen Regionen.

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